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Fachbereich Deutsch
Lyrik

Gottfried Benn 

Englisches Café
 
GOTTFRIED BENN, 

ENGLISCHES  CAFÉ 

Das ganze schmalschuhige Raubpack, 
Russinnen, Jüdinnen, tote Völker, ferne Küsten, 
schleicht durch die Frühjahrsnacht. 

Die Geigen grünen. Mai ist um die Harfe. 
Die Palmen röten sich. Im Wüstenwind. 

Rahel, die schmale Golduhr am Gelenk 
Geschlecht behütend und Gehirn bedrohend: 
Feindin! Doch deine Hand ist eine Erde: 
süßbraun, fast ewig, überweht vom Schoß. 

Freundlicher Ohrring kommt. In Charme d'Orsay. 
Die hellen Osterblumen sind so schön: 
breitmaulig gelb, mit Wiese an den Füßen. 

O Blond! O Sommer dieses Nackens! O 
diese jasmindurchseuchte Ellenbeuge! 
Oh, ich bin gut zu dir. Ich streichle 
dir deine Schultern. Du, wir reisen: 

Tyrrhenisches Meer. Ein frevelhaftes Blau. 
Die Dorertempel. In Rosenschwangerschaft 
die Ebenen. Felder 
sterben den Asphodelentod. 

Lippen, verschwärmt und tiefgefüllt wie Becher, 
als zögerte das Blut des süßen Orts, 
rauschen durch eines Mundes ersten Herbst. 

O wehe Stirn! Du Kranke, tief im Flor 
der dunklen Brauen! Lächle, werde hell: 
Die Geigen schimmern einen Regenbogen. 

Interpretation


 
 
 
 
 
 
 
 

 

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