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Lyrik

Georg Trakl 

Kaspar Hauser Lied
 
Georg Trakl

Kaspar Hauser Lied
Für Bessie Loos

Er wahrlich liebte die Sonne, die purpurn den Hügel hinabstieg, 
Die Wege des Walds, den singenden Schwarzvogel 
Und die Freude des Grüns.

Ernsthaft war sein Wohnen im Schatten des Baums 
Und rein sein Antlitz. Gott sprach eine sanfte Flamme zu seinem Herzen: 
O Mensch!

Stille fand sein Schritt die Stadt am Abend; 
Die dunkle Klage seines Munds: 
Ich will ein Reiter werden.

Ihm aber folgte Busch und Tier, 
Haus und Dämmergarten weißer Menschen 
Und sein Mörder suchte nach ihm.

Frühling und Sommer und schön der Herbst
Des Gerechten, sein leiser Schritt
An den dunklen Zimmern Träumender hin.
Nachts blieb er mit seinem Stern allein;

Sah, dass Schnee fiel in kahles Gezweig 
Und im dämmernden Hausflur den Schatten des Mörders.

Silbern sank des Ungebornen Haupt hin.

Georg Trakl: Die Dichtungen, Otto Müller Verlag. Salzburg 1938; 
13.Auflage (Revidiert nach dem Text der historisch - kritischen Ausgabe), S. 109.

Interpretation
Reinhard Mey, Kaspar
Dschinghis Khan, Kaspar Hauser

Kaspar Hauser bei Wikipedia


 
 
 
 
 
 
 
 

 

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