| Ein Blatt, baumlos, für Bertolt Brecht
Was sind das für Zeiten,
wo ein Gespräch
beinah ein Verbrechen ist,
weil es soviel Gesagtes
mit einschließt?
PAUL CELANAus: K.O. Conrady:
Das große deutsche Gedichtbuch.
Athenäum 1978
Vorsicht
Die Kastanien blühen.
Ich nehme es zur Kenntnis,
äußere mich aber nicht dazu.
GÜNTER EICH
Aus: E. Marsch [Hrsg.]: Moderne deutsche Naturlyrik.
Reclam 1980, S. 125
Zwischenbescheid für
bedauernswerte Bäume
Akazien sind ohne Zeitbezug
Akazien sind soziologisch unerheblich
Akazien sind keine Akazien
GÜNTER EICHAus: M. und K. Fingerhut [Hrsg.]:
Naturlyrik
Frankfurt/M. - Berlin - München
(Diesterweg) 1984, S. 114
Bäume
Wieder hat man in der Stadt,
um Parkplätze zu schaffen,
Platanen gefällt.
Sie wussten viel.
Wenn wir in ihrer Nähe waren,
begrüßten wir sie als Freunde.
Inzwischen ist es fast
zu einem Verbrechen geworden,
nicht über Bäume zu sprechen,
ihre Wurzeln,
den Wind, die Vögel,
die sich in ihnen niederlassen,
den Frieden,
an den sie uns erinnern.
WALTER HELMUT FRITZ Aus: K.O. Conrady:
Das große deutsche Gedichtbuch.
Athenäum 1978
Naturgedicht 7
Ab- und aus-
geschrieben epochenlang
die sechs anderen Wälder vorher, deutsche
Metapher von Kindesbeinen an, Gattung
aus Gründen. Das Naturgedicht
ist der letzte Text über die
Naturgedichte lange vor uns, hölzerne Suche
nach Bäumen in Gedichten
über was man
für ein Verbrechen hielt, als
es
noch
Bäume
gab.
GREGOR LASCHEN Aus: E. Marsch [Hrsg.]:
Moderne deutsche Naturlyrik.
Reclam 1980, S. 263
Bezugsgedicht:
An die Nachgeborenen
BERTOLT BRECHT
Gespräch über Bäume
(Für K. W.)
ERICH FRIED
Ein Gespräch
WOLFGANG SCHOLZ |
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