Günter Eich
Ende eines Sommers
Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!
Wie gut, dass sie am Sterben teilhaben!
Die Pfirsiche sind geerntet, die Pflaumen färben
sich,
während unter dem Brückenbogen die Zeit
rauscht.
Dem Vogelflug vertraue ich meine Verzweiflung an.
Er mißt seinen Teil von Ewigkeit gelassen
ab.
Seine Strecken werden sichtbar im Blattwerk als
dunkler Zwang,
die Bewegung der Flügel färbt die Früchte.
Es heißt Geduld haben.
Bald wird die Vogelschrift entsiegelt,
unter der Zunge ist der Pfennig zu schmecken.
Aus: Botschaften des Regens
.
Interpretation: Ende eines Sommers
Tafelbild |