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Fachbereich Deutsch
Lyrik

Oskar Loerke 

Keilschriftzylinder
 
Keilschriftzylinder

Auf braunen Tonzylindern winden sich die Zeilen
Weiser Schrift, im Feuer erprobt, im Ofen gebacken;
In Spiralen ein Gedränge von Keilen,
Die wie Schnäbel nach dem Weltsinn hacken.

Am Ende winden sie sich in das Leere
Auf unsichtbaren Wendeltreppen weiter.
Aus Tiefer und Höher trifft an jeder Kehre
Ein Reim sich auf der schiefen Himmelsleiter

Das Berghorn schreibt sich ein aus Nebelbrauen,
Der Wildgansflug klatscht an mit offnen Fächern,
Und in die letzten Riesenreihen tauen 
Die Demantkeile von den Himmelsdächern. - 

Vergessen der Segen, den unten die Zeichen erbaten, -
Der Schatten der Bäume zog viele Zirkel im Rasen.
Vergessen der Zauber, den die Zylinder geraten,
Das Heilkraut - Pulver in Apothekervasen

Verfallen der Ofen, seine Ziegel zerbrochen,
Längst verzogen der Qualm seiner Scheiter.
Verwest die Schreiber, zerstaubt ihre Knochen - 
Von selbst dichtet die Welt sich weiter.

Interpretation


 
 
 
 
 
 
 
 

 

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