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Reklame
Ingeborg Bachmann

Interpretationsansätze

Erster Eindruck: Montage unzusammenhängender Gedankenfetzen, äußerlich sichtbar aufgeteilt durch Schriftbild

1. Zwischentext
Wiederholungen: 
5x "ohne Sorge"
3x "mit Musik"
2x "am besten"
2x "heiter"
Der gemeinsame Grundinhalt ist: heiter, fröhlich, unbesorgt, sorglos
"Traumwäscherei": im Traum sollen die Sorgen weggewaschen werden

2. Grundtext:
Er besteht aus vier Fragesätzen, Subjekt der Fragen ist jeweils ein lyrisches "Wir", außer der vierten Frage. 
Ganz allgemein wird dadurch das lyrische Ich als ein fragendes konstituiert. 
Die Fragehaltung bezeiht sich auf: gehen, tun, denken, tragen ("Fragen".. "Schauer aller Jahre")

Die Fragestellung in der 1. und 2. Frage ist auf eine ganz bestimmte Situationen hin tendiert:
1. "wenn es dunkel und wenn es kalt wird."
2. "angesichts eines Endes."

1. FRAGE
1. "wenn es dunkel und wenn es kalt wird":
Ø Nacht - Winter => Lebensabend, Herbst des Lebens, aber auch Ausgesetztsein, Fehlen der Wärme 
(Nihilismus, Existentialismus, Drogen - Flucht etc.)
2. "Nacht":
Ø Gefahren, Fehlen der Orientierung, Pluralismus oder Gegensätzlichkeit von Normensystemen, 
Wirkungsbereich von Dämonen, feindlicher Mächte etc.
3. "Wohin gehen wir?"
Ø Fehlende Zielsetzung, auf welches Ziel gehen wir zu? existentielle Angst

2. FRAGE
"was sollen wir tun?":
Ø Fehlende Handlungsanweisungen, Verunsicherung im Handeln
"und denken":
Ø fehlende geistige Bezugspunkte, der naive Glaube ist erschütter
"angesichts eines Endes":
Ø das Ende ist gewiß,aber es stellt für uns unbeantwortete Fragen, die bedrücken

3. FRAGE
"Wohin tragen wir...":
Ø Das Gegenüber zu uns fehlt, jemand, an den wir die Fragen richten könnten
"Schauer aller Jahre":
Ø Bezugspunkt ist die Vergangenheit, es sind leidvoller Erfahrungen gemacht worden

4. FRAGE
"Was aber geschieht...?"
Ø Die radikalste Frage stellt sich am Ende. Vor dem Tod versagt jede Antwort. 
Die Totenstille tritt auch im Gedicht ein, visuell sichtbar gemacht durch die Stille im Rhythmus. 
Vor ihr werden auch die Antworten der Reklame zur Phrase, sie fehlen.

ANTWORTEN:
Auf die gestellten Fragen gibt es immer die gleichen Antworten. Das Bedrängende der 
Fragen wird übergangen, heiter überspielt. Die Reklame geht an den Fragen vorbei. 
Sie vekauft Trost, aber falschen, oberflächlichen.
Durch endlose Wiederholung des Immergleichen werden aber die Antworten nicht besser.

1. FRAGE - ANTWORT: Angesichts der Dunkelheit und Kälte // bietet sie den Imperativ: "sei ohne Sorge".

2. FRAGE - ANTWORT: Angesichts des Endes // Das Handeln sei mit Musik zu begleiten, 
das Denken solle heiter sein.

3. FRAGE - ANTWORT: Angesichts der Tatsache, daß es Leid und Not gibt // wird die Traumwäscherei angeboten.

4. FRAGE - ANTWORT: Angesichts der Totenstille // versagt selbst die Phraseologie der Reklame, 
die Totenstille tritt auch im Gedicht ein
(s. visuelle Poesie, Beispiel: Braun, Sprachhorizonte 3, Lehrerband S.13)
 
 

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