LYRIK
3.3 Rhetorische Figuren
3.3.1 Satzfiguren
Rhetorische Figur
Definition
Beispiel
Parataxe (parataktischer Satzbau) Satzreihung: Nebeneinanderstellung von ähnlichen Hauptsätzen Die Kutsche kam an. Der Herzog stieg aus. Das Fest begann.
Hypotaxe (hypotaktischer Satzbau) Satzgefüge: Aneinanderreihung von Haupt- und Nebensätzen Als der Mann, der sehr betrunken war, aus der Gaststätte trat, stürzte er.
Satzarten a) Aussagesatz
b) Ausrufesatz
c) Aufforderungssatz, Befehlssatz
d) Fragesatz: Entscheidungsfrage, Ergänzungsfrage 
Der Zug kommt an. Hier hat man doch keine Ruhe! Verlassen Sie sofort das Lokal!
Inversion Umstellung der normalen Wortfolge Aufwärts geht es nun!
Ellipse verkürzter Satz (durch Auslassung von Wörtern) Was nun? (für: Was machen wir nun?)
Parenthese Einschub eines Satzes oder einer Wortfolge in einen Satz (Trennung durch Gedankenstrich) Dieses Gesetz - das haben wir immer gefordert - muß verbessert werden.
Parallelismus gleichartige Satzkonstruktion Lang war der Weg, kurz war der Kampf.
Chiasmus Überkreuzstellung, spiegelbildliche Vertauschung der Wortstellung "Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben." (Goethe: Faust I)

3.3.2 Wort- und Gedankenfiguren

Rhetorische Figur
Definition
Beispiel
Akkumulation Reihung von Begriffen zu einem - genannten oder nicht genannten - Oberbegriff "Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott!"
Allegorie bildhafte Darstellung eines abstrakten Begriffes
s. auch: Theologie als Allegorie
Waage (Bedeutung: Gerechtigkeit!)
Knochenmann mit Sense (Bedeutung: Tod)
Alliteration Stabreim: gleiche Buchstaben im Wort- oder Silbenanfang bei Wind und Wetter 
mit Kind und Kegel
Anapher Wiederholung gleicher Satzanfänge Wie herrlich leuchtet mir die Natur! 
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!
(Goethe: Mailied)
Anspielung (versteckter) Hinweis auf eine Person, einen Sachverhalt oder eine Begebenheit "Ich will nichts anders jetzt sein als der erste Soldat des Deutschen Reiches." (Hitler-Rede, 1.9.1939: Anspielung auf Friedrich den Großen: "der erste Diener des Staates")
Antithese Gegenüberstellung, Gegensatz gut und böse, arm und reich
Des einen Sieg ist des anderen Niederlage.
Archaismus veralteter Ausdruck Jungfer (statt: Mädchen) Zu welchem Behufe? (statt: Warum? Zu welchem Zweck?)
Emphase (emphatischer Wortgebrauch) Betonung, Nachdruck: besondere Hervorhebung eines Wortes Oh Kinder, Kinder - es ist zum Verzweifeln! Ich würde es so etwas nie tun!
Epipher Wiederholung wichtiger Wörter an Vers-/Satzenden; Gegensatz zu Anapher "Doch alle Lust will Ewigkeit-, /
will tiefe, tiefe Ewigkeit!"
Euphemismus beschönigender oder verharmlosender Ausdruck! entschlafen (statt: sterben) beseitigen (statt: umbringen)
Hendiadiadyoin Verknüpfung zweier sinnverwandter (synonymer) Wörter, meist Substantive "Beistand und Hilfe"
"einzig und allein"
Hyperbel Übertreibung Er hat Hände wie ein Pflug. Er ist fuchsteufelswild.
Ironie das Gegenteil dessen, was gemeint ist Du bist mir vielleicht ein Held!
Klimax stufenweise Steigerung einer Aussage Für diese Arbeit brauchen wir ja Wochen, Monate, Jahre!
Lautmalerei (Onomatopoesie) den Klang oder den Naturlaut einer Sache nachahmende Wörter knistern, klirren, knarren, Kikeriki! Kuckuck!
Litotes Bejahung durch doppelte Verneinung. Milderung des Gesagten "Nicht unschön" - 
"Er war nicht gerade ein Held."
Metapher bildhafter Ausdruck
s. auch unter Semantik
Dieser Politiker ist ein Fuchs. Sein Redefluß war nicht zu bremsen.
Metonymie Ersetzung eines gebräuchlichen Wortes durch ein anderes, das zu ihm in unmittelbarer Beziehung steht: z.B. Autor für Werk, Ursache für Wirkung, Gefäß für Inhalt, Ort für Person "Er hat den ganzen Büchner gelesen." - "Hüte deine Zunge!" - "Er hat zwei Glas getrunken." - "Moskau hat noch nicht geantwortet."
Neologismus Wortneuschöpfung, Neubildung eines Wortes Petitesse (statt: Kleinlichkeit), Kaputtnik (aus: kaputt + Sputnik)
Oxymoron Verbindung zweier Vorstellungen ,die sich ausschließen; contradictio in adiecto. "Bittere Süße" - 
"schwarze Milch der Frühe"
Paradox scheinbarer Widerspruch Das Leben ist der Tod, und der Tod ist das Leben.
Paronomasie Wortspiel durch Verbindung von Wörtern, die klangähnlich oder auf gleichen Wortstamm zurückzuführen sind "Betrogener Betrüger"
"Eile mit Weile"
Periphrase Umschreibung eines Begriffs, eines Gegenstands oder einer Eigenschaft das Auge des Gesetzes (statt: Polizei)
Personifikation (personifizieren) Vermenschlichung von Gegenständen oder von abstrakten Begriffen Mutter Natur
Das Auto wollte nicht auf mich hören.
Pleonasmus Wiederholung eines charakteristischen semantischen Merkmals des Bezugswortes "weißer Schimmel"
"grünes Gras"
Refrain ständig wiederkehrender Reim (vor allem bei Liedern)  "Herrlich Berge, sonnige Höhen, Bergvagabunden sind wir, ja wir." (Lied: Wenn wir erklimmen)
Rhetoriche Frage Scheinfrage: eine Frage, deren Antwort schon vorgegeben ist Bin ich vielleicht dein Diener?
Sarkasmus zu Hohn und Spott gesteigerte Ironie "Und wird uns der ganze Verlag verboten, 
So schwindet am Ende von selbst die Zensur." (Heine: Bei des Nachtwächters Ankunft zu Paris).
Slogan Schlagwort: Wörter, die in treffender Form ein (politisches) Programm verkürzt wiedergeben Volk ohne Raum 
entartete Kunst
Superlativ Wort in Steigerungsform der heiligste Krieg
unser bester Mann
Symbol Sinnbild, konkrete Bezeichnung mit abstrakter Bedeutung In dem Dorf war finstere Nacht. 
(1. Tageszeit, 2. Rückständigkeit)
Synekdoche Ein Teil steht für das Ganze (pars pro toto). "Klinge" für "Schwert"
"Dach" für "Haus"
Synonym sinnverwandtes Wort, Wort mit vergleichbarer Bedeutung der Lauf - das Rennen
Kopf - Haupt
Tautologie Wiederholung eines Begriffs bzw. Ersetzung durch ein sinnverwandtes Wort (häufig in Zwillingsformeln). "Persil bleibt Persil"
"immer und ewig"
Understatement Unterbewertung: ironische Herabsetzung Goethe war ein ziemlich guter Dichter.
Vergleich bildhafter Hinweis auf einen Bereich (Vergleichswort: wie) Er hat Augen wie ein Luchs. 
Sie weint wie ein Kind.
Wortspiel geistreiches Spielen mit Ausdrücken, um eine witzige Wirkung zu erzielen "Es ahndet nicht so ein junger Maulheld,
Warum der Mensch am End das Maul hält."
(Heine: An den Nachtwächter)
Zeugma Ungewohnte Zuordnung verschiedener Satzglieder, meist des Prädikats, zu unterschiedlichen Objekten "Er schlug die Stühl’ und Vögel tot."
"Er hob die Augen und das Bein 'gen Himmel."
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IralienreiseZusammengestellt von Heribert Ohlmann Ver NETZ t von Helmut Kerber