Fachbereich Deutsch
Liebesgedichte der Gegenwart
Periodisierung der Lyrik seit dem Expressionismus
  • Einsatz der literarischen Moderne in Deutschland mit dem expressionistischen Jahrzehnt (1910-1920) als der letzten zusammenhängenden Bewegung. 
    * revolutionäre Handhabung von Sprache, Bildlichkeit und Form 
    * antirealistische Tendenz ? Beeinflussung der Lyrik bis in die Fünfziger Jahre (Benn).
  • Gegenläufige Strömungen zwischen den beiden Weltkriegen: Neue Sachlichkeit (Ringelnatz, Tucholsky, Brecht, Kästner als Lyriker mit realistisch - kritischen und ironisch-parodistischen Texten).
    =====================
  • Nach dem Jahr des Zusammenbruchs 1945 („Stunde Null"): Einschnitt und Suche nach ästhetischem Neubeginn. 
  • In den ersten Jahren Zeitlyrik (bis etwa 1948), Sprachgebung der historischen Situation nach dem Kriege (Holthusen, Hagelstange, Hermlin). 
  • Daneben naturmagische Lyrik als Stil- und Bewusstseinsrichtung: Formulierung des überzeitlichen Wesens von Mensch und Natur (Lehmann, Langgässer, Huchel, Krolow)
  • Deren Fortsetzung von der Mitte der fünfziger Jahre an in der Experimentallyrik
  • Auf dem Boden kritischer Sprachexperimente Annäherung der Lyrik an die Form der reinen Dichtung (Eich, Celan, Krolow, Bobrowski). 
    * Anknüpfung an die Ästhetik des französischen Symbolismus (nicht an Expressionismus: Benn (Eich, Weyrauch, Krolow, Piontek, Celan, Huchel, Arendt)
    * Forderung nach dem Selbstzweck der Kunst, nach zeitlos, formschöner Lyrik, Suche nach "Objektivität“ im absoluten Gedicht;
    * Poesie, in der Gegenstand und Wort zusammenfallen (L’art our l’art)
    * Hermetische Lyrik,
    * Schaffung einer lyrischen Eigenwelt,
    * Ablehnung des Jargons, der Alltagssprache
  • Sechziger Jahre: Orientierung der Literatur an gesellschaftskritisch - politischen Themen (Enzensberger, Grass, Heißenbüttel, Fried)
    => Fünfziger und sechziger Jahre: Kaum Gedichte über Liebe und Ehe
    ==========================
  • Einsetzen der Liebeslyrik in den siebziger Jahren.
    Begründung:
    1. Wandel im poetischen Selbstverständnis
    2. Dynamik in der erotischen Beziehung
    Zu 1.: 
    * Neuentdeckung der Subjektivität, des Ichs, der Sinnlichkeit und Lusterfahrung; der    Spontaneität des Erlebens
    * Forderung nach der Reduzierung der „ästhetischen Differenz“ zwischen dem Gedicht    und den Erfahrungen, die ihm zugrunde liegen,
    * Forderung, die Differenz zwischen poetischer Kunstsprache und prosaischer Alltagssprache aufzuheben
    Zu 2.:
    * Trotz / wegen sexueller Befreiung in der APO - Zeit, Emanzipierungsbewegung, Auflösung der Geschlechterrollen allgemeiner Grundton der Utopielosigkeit, Resignation, des Scheiterns, der Vergänglichkeit der Liebesbeziehung
    * Thematisierung der Schwierigkeiten einer harmonischen Beziehung, der Vergänglichkeit der Gefühle, eher der Momente erotischer Erfüllung als einer glücklichen oder befriedigenden Dauerbeziehung, des Plroblems der erotischen, psychischen, geistigen Beziehung
Zusammenfassung nach: Nichts ist versprochen. Liebesgedichte der Gegenwart, RUB 8559, 227 - 234 und: Kurt Binneberg, Liebeslyrik. Gattungs- und epochenspezifische Aspekte, Lektürehilfen, Stuttgart (Klett Verlag) 2001, S. 27)

Aufgleiderung in acht Themenkreise:

I. Liebe: 
Mascha Kaéko, Das graue Haar

II. Erotischer Moment:
Roman Ritter, Kurzer Blick
Volker Braun, Entscheidende Entdeckung
Ludwig Fels, Natürlichkeiten

III. Partnerschaft und Emanzipation:
Ursula Krechel, Liebe am Horizont

IV. Ehe:
Günter Herburger, Ehegedicht
Yaar Karsunke, Zimmer mit Küche & Bad

V. Liebe und Vergänglichkeit:
Mascha Kaléko, Alte Flamme bei Lichte besehen
Wolfgang Tilgner, Paar im Spiegel (Klausur?)
Gisela Steineckert, Beschreibung einer Trennung
Karin Kiwus, Lösung

VI. Liebe und Gesellschaft:
Johanna Moosdorf, Freundinnen

VII. Schwierige Beziehungen:
Elisabeth Borchers, Schwieriger Rat
Karin Kiwus, Fragile
Wolfgang Schiffer, Wir lagen im Gras

VIII. Träume:

Als PDF - Datei