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Lyrik

Clemens Brentano

Müllers Abschied
 
Clemens Brentano

Müllerls Abschied

Da droben auf jenem Berge,
Da steht ein goldnes Haus,
Da schauen wohl alle Frühmorgen
Drey schöne Jungfrauen heraus;
Die eine, die heißt Elisabeth. 
Die andre Bernharda mein,
Die dritte, die will ich nicht nennen,
Die sollt mein eigen seyn.

Da unten in jenem Thale,
Da treibt das Wasser ein Rad,
Das treibet nichts als Liebe,
Vom Abend bis wieder an Tag;
Das Rad das ist gebrochen,
Die Liebe, die hat ein End,
Und wenn zwey Liebende scheiden,
Sie reichen einander die Händ.

Ach Scheiden, ach, ach!
Wer hat doch das Scheiden erdacht,
Das hat mein jung frisch Herzelein
So frühzeitig traurig gemacht.
Dies Liedlein, ach, ach!
Hat wohl ein Müller erdacht;
Den hat des Ritters Töchterlein
Vom Lieben zum Scheiden gebracht. 

Quelle:
Achim von Arnim und Clemens Brentano: 
Des Knaben Wunderhorn. Band 1, Stuttgart u.a. 1979, S. 96-97.

(Siehe: Eichendorff: „Das zerbrochene Ringlein“ 
und Rühmkorf „Auf eine Weise des Josef von Eichendorff“) 
 


 
 
 
 
 
 
 
 

 

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