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Lyrik

Johann Wolfgang von Goethe

Grenzen der Menschheit [Downloadbereich]
 
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Johann Wolfgang von Goethe
Grenzen der Menschheit
 
Wenn der uralte
Heilige Vater
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken
Segnende Blitze
Über die Erde sät,
Küss ich den letzten
Saum seines Kleides,
Kindliche Schauer
Treu in der Brust.

Denn mit Göttern
Soll sich nicht messen
Irgendein Mensch.
Hebt er sich aufwärts
Und berührt
Mit dem Scheitel die Sterne,
Nirgends haften dann
Die unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen
Wolken und Winde.

Steht er mit festen
Markigen Knochen
Auf der wohlgegründeten
Dauernden Erde,
Reicht er nicht auf,
Nur mit der Eiche
Oder der Rebe
Sich zu vergleichen.

Was unterscheidet
Götter von Menschen?
Dass viele Wellen
Vor jenen Wandeln,
Ein ewiger Strom;
Uns hebt die Welle,
Verschlingt die Welle,
Und wir versinken.

Ein kleiner Ring
Begrenzt unser Leben,
Und viele Geschlechter
Reihen sie dauernd
An ihres Daseins
Unendliche Kette.

[Andere Version]
[Interpretationsansätze]


 
 
 
 
 
 
 
 

 

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Hintergrundgrafik: Das Gedicht „Eich Gleiches" an der Wand des Jagdhäuschens auf dem „Kickelhahn".
© H. Kerber 1994 | 1996 | 2008


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