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Lyrik

Heinrich Heine

Abenddämmerung [Nutzungshinweis]
 
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Interpretation [2 Seiten]
H. Heine
Abenddämmerung
 
Am blassen Meerestrande
Saß ich gedankenbekümmert und einsam.
Die Sonne senkte sich tiefer und warf
Glührote Streifen auf das Wasser,
Und die weißen, weiten Wellen,
Von der Flut gedrängt,
Schäumten und rauschten näher und näher -
Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,
Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,
Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen -
Mir war, als hört' ich verschollene Sagen,
Uralte, liebliche Märchen,
Die ich einst als Knabe
Von Nachbarskindern vernahm,
Wenn wir am Sommerabend
Auf den Treppenstufen der Haustür
Zum stillen Erzählen niederkauerten,
Mit kleinen horchenden Herzen
Und neugierigen Augen,
Während die großen Mädchen
Neben duftenden Blumentöpfen
Gegenüber am Fenster saßen,
Rosengesichter,
Lächelnd und mondbeglänzt.

[Siehe auch: Mein Kind, wir waren Kinder ]

 
 
 
 
 
 
 
 

 

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Hintergrundgrafik: Des Knaben Wunderhorn [Wikipedia] - Gemeinfreiheit - public domain
© H. Kerber 1994 | 1996 | 2008



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