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Lyrik

Heinrich Heine

Die beiden Grenadiere [Nutzungshinweis]
 
La Belle Alliance (1815) ==>>
.... [...]
H. Heine
Die beiden Grenadiere

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier,
Die waren in Russland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie ließen die Köpfe hängen.

Da hörten sie beide die traurige Mär:
Dass Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das große Heer -
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Da weinten zusammen die Grenadier
Wohl ob der klägliche Kunde.
Der eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!

Der andere sprach: Das Lied ist aus,
Auch ich möcht mit dir sterben,
Doch hab ich Weib und Kind zu Haus,
Die ohne mich verderben.

Was schert mich Weib, was schert mich Kind,
Ich trage weit bessres Verlangen;
Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind -
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!

Gewähr mir, Bruder, eine Bitt:
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab mich in Frankreichs Erde.

Das Ehrenkreuz am roten Band
Sollst du aufs Herz mir legen;
Die Flinte gib mir in die Hand,
Und gürt mir um den Degen.

So will ich liegen und horchen still,
Wie eine Schildwach, im Grabe,
Bis einst ich höre Kanonengebrüll
Und wiehernder Rosse Getrabe.

Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab -
Den Kaiser, den Kaiser zu schützen. 

[Siehe Interpretation]


[Vertonung von Schumann; gesungen von Husch]


 
 
 
 
 
 
 
 

 


La Belle Alliance 1815 (Die Schlacht von Waterloo)
Wer vor dem Panoramabild der Schlacht von „La Belle Alliance“ vom 18. Juni 1815 (Waterloo) steht, wird in die Stimmung von Heines Grenadier hineingezogen: Kanonengebrüll und „wiehernder Rosse Getrabe“ sind dramatisch dargestellt. Heine hätte seinen Grenadier im Schlachtengewühl wieder erkannt Napoleon  reitet auf dem Schimmel, Wellington beobachtet die Attacken, und die Kämpfer ringen gegeneinander um Leben oder Tod.

Siehe die Vertonung von Schumann mit Motiven der Marseillaise
Knapp dreißig Jahre nach Entstehung der Romanze nimmt sich Schumann diese als Vorlage zu einer Ballade, die er als op. 49 N°1 zusammen mit den beiden anderen Balladen „Die feindlichen Brüder"  (Heine) und ,,Die Nonne" (Fröhlich) 1843 veröffentlicht. 
Schumann fasst in einer durchkomponierten Form die neun Strophen der Romanze zu fünf Abschnitten zusammen. 
Durch die Tempobezeichnung ,,Mäßig" im Zusammenhang mit einem Marschrhythmus, der durch Triolen aufgeweicht wird und die Wahl einer Molltonart erreicht Schumann den Eindruck eines Trauermarsches, der die Schwere und das Verhängnisvolle der Situation ausdrückt.
[Melodie: http://ingeb.org/Lieder/nachfran.html (*.mid)]
[Gesungen: http://matsumo2.cocolog-nifty.com/blog/files/Schuman_Die_Beiden_Grenadiere_Husch.mp3]
[W. Merril (Tenor): http://www.stevenmerrilltenor.com/#/songs/die-beiden-grenadiere]
[Normann Mittelmann: http://www.emusic.com/album/Various-Artists-Arabesque-Recordings-Lotte-Lehmann-A-Sung-Spoken-Tribute-MP3-Download/10956979.html]

Hintergrundgrafik: Heinrich Heine [Wikipedia] - Gemeinfreiheit - public domain
Bildunterschrift: "So sah ich aus heute Morgen, den 6ten April 1829

© H. Kerber 1994 | 1996 | 2008



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