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Lyrik

Heinrich Heine || J. v. Eichendorff

Mein Herz, mein Herz ist traurig
Das zerbrochene Ringlein
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Vergleichende Interpretation [2 Seiten]
H. Heine
Mein Herz, mein Herz ist traurig
 
Mein Herz, mein Herz ist traurig,
Doch lustig leuchtet der Mai,
Ich stehe, gelehnt an die Linde,
Hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh';
Ein Knabe fährt im Kahne
Und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich,
In winziger, bunter Gestalt,
Lusthäuser und Gärten und Menschen
Und Ochsen und Wiesen und Wald.

Die Mägde bleichen Wäsche,
Und springen im Gras herum;
Das Mühlrad stäubt Diamanten,
Ich höre sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Turme
Ein Schilderhäuschen steht;
Ein rotgeröckter Bursche
Dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte,
Die funkelt im Sonnenrot,
Er präsentiert und schultert -
Ich wollt', er schösse mich tot.

(1823)

Eichendorff
Das zerbrochene Ringlein
 
In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühenrad,
Mein' Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein'n Ring dabei.
Sie hat die Treu' gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht' als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen,
Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht' als Reiter fliegen
Wohl in die blut'ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will -
Ich möcht am liebsten sterben,
Da wär's auf einmal still!

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857)
[...]

 
 
 
 
 
 
 
 

 

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Hintergrundgrafik: Heinrich Heine [Wikipedia] - Gemeinfreiheit - public domain
Bildunterschrift: "So sah ich aus heute Morgen, den 6ten April 1829

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