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Lyrik

Heinrich Heine

Die schlesischen Weber [Nutzungshinweis]
 
Schlesisches Elend ==>>
.... [...]
H. Heine
Die schlesischen Weber
Text bei: Literaturwelt.com
sowie: Gutenberg
und die sozialen Hintergründe bei: Wikipedia

[Siehe Interpretation]




 
 
 
 
 
 
 
 

 


Elend in Schlesien
Wilhelm Wolff
Die beim Weben nötigen Arbeiten sind folgende: das Garn wird sortiert, gewaschen, getrocknet, geklopft, gespult, gescheert, gehüllt, auf den Webstuhl gezogen, angedreht, geschlichtet und gewebt. Sodann wird es geschauert, herabgenommen, geklopft, gestempelt, gelegt, gepresst und dann mit banger Angst von einem Kaufmann zum andern getragen, bis man es los wird. An einem solchen Schocke arbeiten Mann, Weib und Kind, und soll es früher als in 2 Wochen fertig werden, so muss der Weber Tag und Nacht unablässig schaffen. [ ... ]
[Aus: Wilhelm Wolff, Elend und Aufruhr in Schlesien, Darmstadt 1845, zitiert nach Hans Schwab-Felisch, Gerhard Hauptmann, „Die Weber“, in der Reihe Dichtung und Wirklichkeit, Band1, Ullstein Verlag, Frankfurt / Wien 1963, S. 141]
Der Aufstand der Weber
Alfred Zimmermann
Der wöchentliche Verdienst eines Webers betrug 10 - 20 Sgr. , der des Handspinners 5 - 12 Sgr. Ein Bauernknecht erhielt dagegen neben freier Wohnung und reichlicher Nahrung jährlich 12 - 30 Thlr., der ländliche Tagelöhner verdiente täglich 5, seine Frau 4 Sgr. Eine Armenpflege, welche den Darbenden ein Scherflein spenden konnte, existierte fast in keinem Dorf. [ ... ] Hier gab es keine Krämer mehr, es besaß ja niemand Geld, etwas zu kaufen; auf der Straße spielten keine Kinder, sie mussten mit ihren schwachen Kräften den Eltern bei der Arbeit helfen. Selbst das Gebell der Hunde, das sonst in keinem Dorf fehlt, ertönte hier nicht. Man besaß kein Futter für sie und hatte die treuen Wächter als willkommene Nahrung verzehrt. Die Häuser waren nicht selten halb verfallen, oft fehlte ihnen selbst der Schornstein, und der Rauch suchte durch ein Luftloch einen Ausweg. [ ... ] Ein 67 Jahre alter Weber erzählte mit Freudentränen, dass zu seinem Glück in der Nähe zwei Pferde krepiert seien, die ihm und den Seinen eine Zeitlang Speise geboten. Viele Weber verzehrten aus Hunger die saure, stinkende Schlichte . Eine Familie hat in der Not ein Stück Brot gegessen, das sie einem alten Brauch zufolge sechs Jahre vorher bei der Hochzeit im Hause versteckt hatte. Den grauenhaften Zuständen ein Ende zu machen, ist von Seiten der Regierung sehr wenig geschehen. Das wichtigste war noch die Inangriffnahme mehrerer Chausseebauten im Gebirge, wobei der Mann für 12stündige Arbeit 6 Sgr. erhielt. [ ... ]
Im Jahre 1844 kam es in mehreren schlesischen Orten zu Hungerrevolten.
In dem Moment, wo der Major aufs neue die Massen zum Auseinandergehen aufforderte, gingen stattdessen die verzweifelten Weber zum Angriff über. Die Soldaten feuerten über die Köpfe der Anstürmenden; das erbitterte die Weber erst recht. Sie überschütteten die Truppen mit einem Steinhagel. Nun feuerten diese scharf in die Massen und verwundeten und töteten eine Anzahl der Angreifer. [ ... ] Der Steinhagel gegen die Soldaten dauerte fort, und der Angriff gegen das Gebäude wurde immer heftiger. Mehrere neue Salven schüchterten die Leute nicht im mindesten ein, und der Major entschloss sich daher zum Abzug. Das preisgegebene Gebäude wurde nun im Augenblick erstürmt und gründlich zerstört. Elf Personen waren durch die Schüsse getötet, mehr als 20 verwundet worden. [ ... ] In Peterswaldau wurden 29, in Langenbielau 14 Personen festgenommen und in offenen Karren gefesselt nach Schweidnitz geschafft, wo eine außerordentliche Kommission mit Führung der Untersuchung und Fällung des Urteils betraut war. [ ... ] Die elf in Langenbielau Erschossenen wurden in aller Stille beerdigt. Alle Geistlichen erhielten Anweisung, den Arbeitern ins Gewissen zu reden. [ ... ] Gegen Mitte des Monats war die Ordnung so weit wieder hergestellt, dass man das Militär aus den Dörfern zurückzog und nur noch ein Bataillon in Reichenbach beließ. Die Zahl der Verhafteten belief sich in kurzer Zeit auf 100, von ihnen wurden 80 zu längeren Freiheits- und Zuchthausstrafen verurteilt. Von Zeit zu Zeit entstanden zwar Gerüchte, als wenn sich hier und da aufs neue Unruhen regten, aber dieselben erwiesen sich stets als falsch. Der Mut der Weber war ebenso plötzlich erloschen, wie er aufgeflackert war, geduldig fügten sie sich wieder in ihr altes Elend.
[Aus: Alfred Zimmermann, Blüte und Verfall des Leinengewerbes in Schlesien. Gewerbe- und Handelspolitik dreier Jahrhunderte. Verlag von Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1885, S. 348 - 362])

Hintergrundgrafik: Heinrich Heine [Wikipedia] - Gemeinfreiheit - public domain
Bildunterschrift: "So sah ich aus heute Morgen, den 6ten April 1829

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