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Lyrik

Friedrich Hölderlin

Abendphantasie [Nutzungshinweis]
 
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Form der Ode etc. [...]
Friedrich Hölderlin
Abendphantasie
 
Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
  Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
   Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
    Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch,
  In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts
   Geschäft’ger Lärm; in stiller Laube
    Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
  Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh und Ruh
   Ist alles freudig; warum schläft denn
    Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
  Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
   Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich,
    Purpurne Wolken! und möge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid! -
  Doch, wie verscheucht von töriger Bitte, flieht
   Der Zauber; dunkel wird’s und einsam
    Unter dem Himmel, wie immer, bin ich -

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
  Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,
   Du ruhelose, träumerische!
    Friedlich und heiter ist dann das Alter.



[Siehe: Interpretation
und Struktur]


 
 
 
 
 
 
 
 

 


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[ Stark verkleinert]


Hintergrundgrafik: Friedrich Hölderlin [Wikipedia] - Gemeinfreiheit - public domain
© H. Kerber 1994 | 1996 | 2008



Intervall 30 Minuten
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