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Das Sonett
Das
Sonett ist eine im Italien des 13. Jahrhunderts entstandene Gedichtform
(sonetto, Klinggedicht) mit 14 Zeilen in einem vorgegebenen Reimschema,
die in allen europäischen Literaturen verbreitet ist. Die traditionelle
Bauform des Sonetts besteht aus zwei Quartetten (Vierzeilern), gefolgt
von zwei Terzetten (Dreizeilern). Sonetten wurden ursprünglich mit
musikalischer Begleitung auf Mandoline oder Laute vorgetragen. Typische
Versmaße und Reimschemata unterlagen unterschiedlicher Ausprägung
in den verschiedenen Sprachen (siehe Verslehre).
Bauformen des Sonetts
Das petrarkische Sonett besteht aus
einer achtzeiligen und einer sechszeiligen Strophe. Die achtzeilige Strophe
besteht aus zwei Quartetten mit dem Reimschema a b b a, a b b a.
Das erste Quartett führt gewöhnlich in das Thema ein (These),
dem im zweiten ein gegensätzlicher Gedanke folgt (Antithese). Die
beiden Terzette, die unterschiedlichen Reimschemata folgen können
(c
d e, c d e, c d c , d c d oder c d e, d c e), bringen
beide Gedanken zu einer Synthese. Das petrarkische Sonett erlebte besonders
im England des elisabethanischen Zeitalters eine neue Blütezeit.
Das durch Shakespeare Spensers Amoretti
(1595) repräsentierte englische Sonett entwickelte sich als Nachbildung
des italienischen Vorbilds in einer vergleichsweise reimarmen Sprache.
Es unterscheidet sich vom petrarkischen Sonett darin, daß es aus
drei Quartetten mit Wechselreimen in unterschiedlichem Versmaß und
einem abschließenden Couplet (Zweizeiler) besteht. Das Reimschema
ist a b a b, c d c d, e f e f, g g.
Historische Entwicklung
Die beiden Hauptformen sind das italienische
(petrarkische) und das englische (shakespearische) Sonett. In Italien entwickelte
es sich aus der Strophenform der Kanzone oder
dem italienischen Volkslied am Hof Kaiser Friedrichs II. in Palermo und
wurde später von toskanischen Dichtern, vor allem Dante
Alighieri, weiterentwickelt. Der erste bedeutende italienische Sonettdichter
war Guittone d’Arezzo, den Höhepunkt der Form in Italien erreichte
Petrarca
mit seinen Canzoniere (um 1327), einem Zyklus mit 317 Sonetten an
seine fiktive Geliebte Laura. Petrarcas Landsmann Torquato
Tasso machte sich neben seiner epischen Produktion ebenfalls als
Dichter von Sonetten einen Namen. Später führten der Portugiese
Luís Vaz de Camões und Pierre
de Ronsard,
Joachim du Bellay und andere
Mitglieder der französischen Dichterschule Pléiade
die Sonettform in die Dichtung ihrer Heimatländer ein. In England
wurde nach ersten Übersetzungen aus dem Italienischen und eigenen
Versuchen von Sir Thomas Wyatt und Henry Howard
William
Shakespeare der Meister des Sonetts. In den slawischen Literaturen
und in Deutschland blieb das Sonett von zweitrangiger Bedeutung, abgesehen
von einigen Dichtungen Goethes, Heinrich Heines, August von Platens oder
Rainer Maria Rilkes. Insgesamt erwies sich die Dichtungsform als sehr variables
Schema, das vorrangig in der Erlebnislyrik Verwendung fand.
Im 17. Jahrhundert entfaltete das
Sonett in England große formale und thematische Vielfalt. John
Donne erweiterte das zuvor meist zentrale Thema der Erotik um religiöse
Themen (Holy Sonnets). Auch John Milton,
der seine Sonette in Englisch und Italienisch verfaßte, ergänzte
dieses Spektrum um politische Themen. Milton bevorzugte die petrarkische
Form und verlieh ihr durch den Verzicht auf die übliche inhaltliche
Zäsur zwischen den beiden Quartetten und den beiden Terzetten größere
Geschlossenheit.
Bis Ende des 18. Jahrhundert verlor
das Sonett in der englischen Dichtung spürbar an Bedeutung, erlebte
hingegen in der Romantik eine neue Blüteperiode. Als wichtigster Sonettdichter
dieser Epoche gilt William Wordsworth, gefolgt
von Samuel Taylor Coleridge, Percy
Bysshe Shelley und John Keats. Das
viktorianische Zeitalter führte die Tradition fort, u. a. mit Elizabeth
Barrett Brownings Sonnets from the Portuguese (1850, Sonette
aus dem Portugiesischen) und Dante Gabriel Rossettis
Sonettenzyklus The House of Life (1881, Das Haus des Lebens). Andere
bedeutende Sonettdichter waren Robert Browning,
Matthew
Arnold, Christina Georgina Rossetti
und Gerard Manley Hopkins. Hopkins unterzog
das traditionelle Muster radikalen Änderungen, z. B. mit dem nur die
Akzente, nicht aber die Silben zählenden Metrum des sprung rhythm
und einer abweichenden Strophenfolge.
Das Sonett fand im 20. Jahrhundert
nur noch spärlich Verwendung. Den wohl bedeutendsten modernen Sonettzyklus
schuf Rainer Maria Rilke mit Sonette an
Orpheus (1923). Im anglophonen Sprachraum hielten die Amerikanerin
Edna
St. Vincent Millay und der Angloamerikaner
W.
H. Auden die Gattung lebendig. Von Auden stammen der Sonettzyklus
Sonnets from China (1936-1938, Sonette aus China) sowie zahlreiche
einzelne Sonette. Heutzutage ist die Gedichtform aus der Lyrik verschwunden.
Zusammenfassung
Das Sonett ist also eine Gedichtform,
bestehend aus 14 Versen, die in zwei deutlich abgesetzte Teile zerfallen:
-
Teil: Aufgesang aus zwei vierzeiligen
Quartetten mit dem Reim a b b a
-
Teil: Abgesang mit zwei dreizeiligen Terzetten
mit dem ursprünglichen Reim c d c, d c d , wobei es schon früh
vielfache Variationen gibt.
-
Wegen seiner klaren Zweiteilung wird es
häufig verwendet zur Darstellung gegensätzlicher Gedankengänge
oder eines Zwiespaltes. Auch der einzelne Vers wird häufig durch eine
Zäsur (Mitteldiärese) in zwei Teile gegliedert.
Sonett1.doc
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