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Prosa
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Ilse Aichinger

Meine Sprache und ich
 
 
 
 
 
 

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Ilse Aichingers
Meine Sprache und ich

 
 
 
 
 
 
Ilse Aichinger

MEINE SPRACHE UND ICH
Erzählungen von Ilse Aichinger, erschienen 1978. 
Das Prosawerk Ilse Aichingers, das sich nach ihrem Roman (vgl. Die größere Hoffnung) auf Erzählungen und Kurztexte konzentriert, dokumentiert auf anschauliche Weise die schriftstellerische Entwicklung der Autorin. Während frühe Kurzgeschichten noch von Handlungszusammenhängen getragen sind und eine „Fabel“ enthalten, äußert sich im späteren Schreiben eine zunehmende Tendenz zur Hermetik und Sprachautonomie.
Der Band Meine Sprache und ich versammelt einen Großteil der zwischen 1949 und 1968 entstandenen Erzählungen in chronologischer Reihenfolge. 
Der Titel - Essay Meine Sprache und ich, der eine Art Bilanz des Erzählens darstellt, reflektiert die schon in der frühen Prosa beschworene Gefahr des Verstummens nun nicht mehr in historischer, sondern in einer radikal sprachkritischen Perspektive: „Meine Sprache und ich, wir reden nicht miteinander, wir haben uns nichts zu sagen.“ Die resignative Einsicht in die konstitutive Fremdheit und Unzulänglichkeit der Sprache bildet jedoch keinen Endpunkt, sondern markiert eine Wende, von der aus Ilse Aichinger in den siebziger Jahren ein neues poetologisches Konzept entwickelt
Bis auf diesen Titel - Essay wurden alle Texte bereits zuvor publiziert: 
die frühen Geschichten 
1952 im Band Rede unter dem Galgen 
Im Vorwort definiert die Autorin die Situation des modernen Erzählers:
 „So liegt auch heute für den Erzählenden die Gefahr nicht mehr darin, weitschweifig zu werden. Sie liegt eher darin, dass er angesichts der Bedrohung und unter dem Eindruck des Endes den Mund nicht mehr aufbringt.“ 
Unter Lebensangst, Alpträumen, Wahnvorstellungen und Fieberphantasien leiden die Figuren in den zehn kleinen Erzählungen dieses Bandes.
1953 im Band Der Gefesselte ; weitere Gruppen von Erzählungen 
1963 im Band Wo ich wohne und 
1965 im Band Eliza Eliza; schließlich einige spätere Prosatexte 
1970 im  Band Nachricht vom Tag, der zugleich einen Querschnitt der bis dahin erschienenen Aichinger-Erzählungen enthält.
Die Gefahr des Verstummens, der zunehmenden Sprachauszehrung verhalf der parabolisch komponierten Form der Kurzgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg zu ihrem literarischen Durchbruch. 
Vieldeutige, dicht zusammengedrängte Parabeln sind auch Ilse Aichingers Kurzgeschichten, die sich um die Spiegelgeschichte gruppieren, für die die Autorin 1952 den Preis der Gruppe 47 erhielt. Diese Geschichte beginnt mit dem Tod und endet mit der Geburt. Eine Frau stirbt an den Folgen einer Abtreibung; in flüchtigen Bildern huscht ihr Leben vorbei, das sich wie ein verkehrt eingelegter Film vom Ende her abspult. Stimmen in sachlichem Ton kommentieren die Phasen der Agonie. Die Sterbende steht zugleich diesseits und jenseits des Todes, der Todeskampf verwischt die Grenzen zwischen Leben und Tod. Vom Tod, dem Fixpunkt der Geschichte, geht alles aus, zum Tod strebt alles hin. In spiegelbildlichen Verkehrungen werden die Stationen ihres Lebens notiert, das im Bild des Spiegels symbolisch vom Ende her dechiffriert wird, verlängert noch um eine Dimension jenseits des Todes: „Der Spiegel spiegelt alles.“
Während die Struktur der perspektivischen Umkehrung in frühen Erzählungen noch häufig ein dichterisches Mittel der Wahrheitssuche darstellt, um die es Ilse Aichinger geht, lösen sich die Texte der sechziger Jahre zunehmend vom herkömmlichen Wirklichkeitsbegriff. Sie erscheinen als pure Phantasiebilder, als Versuchsanordnungen, in denen Gegenwelten als Sprachspiele hervorgebracht werden (Das Bauen von Dörfern; Eliza Eliza). Surrealistische Visionen (Mein grüner Esel; Mein Vater aus Stroh) und traumhafte Sequenzen (Herodes; Wiegenfest; Holzfahrscheine) treten an die Stelle linearen Erzählens. 
Die Autonomisierung der Sprache wird schließlich in den spätesten Texten des Erzählbandes selbst zum Thema gemacht (Die Rampenmaler; Die Schwestern Jouet). 

[Bearfbeitet nach Kindlers neues Literaturlexikon CD-ROM 1999 Systhema Verlag GmbH]


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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