Wenn
Her K. einen Menschen liebte
Maßnahmen
gegen die Gewalt
Herr
K.s Lieblingstier
Erfolg
(1)
Wenn
Herr K. einen Menschen liebte
„Was tuns Sie", wurde Herr
K. gefragt, „wenn Sie einen Menschen lieben?" - „Ich mache einen Entwurf
von ihm", sagte Her K., „und sorge, daß er ihm ähnlich wird."
- „Wer? Der Entwurf?" - „Nein", sagte Herr K., „der Mensch."
(Ansätze zu einer Interpretation)
(2)
Maßnahmen
gegen die Gewalt
Als Herr Keuner, der Denkende,
sich in einem Saale vor vielen gegen die Gewalt aussprach, merkte er, wie
die Leute vor ihm zurückwichen und weggingen. Er blickte sich um und
sah hinter sich stehen - die Gewalt.
„Was sagtest du?" fragte
ihn die Gewalt. „Ich sprach mich für die Gewalt aus", antwortete Herr
Keuner.
Als Herr Keuner weggegangen
war, fragten ihn seine Schüler nach seinem Rückgrat.
Herr Keuner antwortete:
„Ich habe kein Rückgrat zum Zerschlagen. Gerade ich muß länger
leben als die Gewalt."
Und Herr Keuner erzählte
folgende Geschichte: In die Wohnung des Herrn Egge, der gelernt hatte,
nein zu sagen, kam eines Tages in der Zeit der Illegalität ein Agent,
der zeigte einen Schein vor, welcher ausgestellt war im namen derer, die
die Stadt beherrschten, und auf dem Stand, daß ihm gehören soll
jede Wohnung, in die er seinen Fuß setzte, ebenso sollte ihm auch
jedes Essen gehören, das er verlange; ebenso sollte ihm auch jeder
Mann dienen, den er sähe.
Der Agent setzte sich in
einen Stuhl, verlangte Essen, wusch sich, legte sich nieder und fragte
mit dem Gesicht zur Wand vor dem Einschlafen: „Wirst du mir dienen?"
Herr Egge deckte ihn mit
einer Decke zu, vertrieb die Fliegen, bewachte seinen Schlaf, und wie an
diesem Tage gehorchte er ihm sieben Jahre lang. Aber was immer er für
ihn tat, eines zu tun hütete er sich wohl: das war, ein Wort zu sagen.
Als nun die sieben Jahre
herum waren und der Agent dick geworden war vom vielen Essen, Schlafen
und Befehlen, starb der Agent.
Da wickelte ihn Herr Egge
in die verdorbene Decke, schleifte ihn aus dem Haus, wusch das Lager, tünchte
die Wände, atmete auf und antwortete: „Nein."
(3)
Herr
K.S Lieblingstier
Als Herr K. gefragt wurde,
welches Tier er vor allen schätze, nannte er den Elefanten und begründete
dies so: Der Elefant vereint List und Stärke. Das ist nicht die kümmerliche
List, die ausreicht, einer Nachstellung zu entgehen oder ein Essen zu ergattern,
indem man nicht auffällt, sondern die List, welcher die Stärke
für große Unternehmungen zur Verfügung steht. Wo dieses
Tier war, führt eine breite Spur. Dennoch ist es gutmütig, es
versteht Spaß. Es ist ein guter Freund, wie es ein guter Feind ist.
Sehr groß und schwer, ist es doch auch sehr schnell. Sein Rüssel
führt einem enormen Körper auch die kleinsten Speisen zu, auch
Nüsse. Seine Ohren sind verstellbar: er hört nur, was ihm paßt.
Er wird auch sehr alt. Er ist auch gesellig, und dies nicht nur zu Elefanten.
Überall ist er sowohl beliebt als auch gefürchtet. Eine gewisse
Komik macht es möglich, daß er sogar verehrt werden kann. Er
hat eine dicke Haut, darin zerbrechen die Messer; aber sein Gemüt
ist zart. Er kann traurig werden. Er kann zornig werden. Er tanzt gern.
Er stirbt im Dickicht. Er liebt Kinder und andere kleine Tiere. Er ist
grau und fällt nur durch seine Masse auf. Er ist nicht eßbar.
Er kann gut arbeiten. Er trinkt gern und wird fröhlich. Er tut etwas
für die Kunst: er liefert Elfenbein.
(4)
Erfolg
Herr K. sah eine Schauspielerin
vorbeigehen und sagte: „Sie ist schön.“ Sein Begleiter sagte: „Sie
hat neulich Erfolg gehabt, weil sie schön ist.“ Herr K. ärgerte
sich und sagte: „Sie ist schön, weil sie Erfolg gehabt hat.“ |