Bertolt Brecht
Der verwundete Sokrates
II. Die Stoffgestaltung
1.Dialektische Ironie

a) Wir erfahren, "wie frisch und unverdrossen er den Schierlingsbecher leerte, die ihm die Obrigkeit für die seinen Mitbürgern geleisteten Dienste am Ende reichen ließ". 
Weiter heißt es: Er habe bei Delion mitgekämpft "und zwar bei den leichtbewaffneten Fußtruppen, da er weder seinem Ansehen nach, er war Schuster, noch seinem Einkommen nach, er war Philosoph, zu den vornehmen und teureren Waffengattungen eingezogen wurde."

b) Ironiosche Gegensatzpaare: (S.75)
Schierlingsbecher - Verdienste Ansehen - Schuster Einkommen - Philosoph
Antithetische Sprachwendungen
"die Profite der großen Waffenschmiede aus kleinen Schilden"(76)
"junger vornehmer Mann" - "der junge Laffe" (76) 
"...Schilden ausweichen konnte" -" ...Ihn aufzufangen"(76)
" 'Brüllt', sagte er leise, 'brüllt' " 
"die Treppen hinaufhinken, um den Lorbeerkranz in Empfang zu nehmen"
"Schilde für dicke Leute zu klein" - "breite Leute" (76)

c) Aufspaltung und Zusammenfassung der wörtlichen und übertragenen Bedeutung eines Wortes: 
Krieg: = "blutiges Geschäft" (75) 
==>> Leiden und Tun der unteren Soldaten und die Geldverdienerei der oberen Geschäftsleute sind in diesem Ausdruck vereint und zugleich in scharfen Gegensatz zueinander gesetzt. 
Sokrates Waffe = Schlachtmesser(77) 
==>> Waffe, die der Soldat im Krieg in der Schlacht benutzt, womit er aber gleichzeitig Menschen schlachtet, also der Kampf als Schlächterei entlarvt wird. 

==>> V - Effekt, s. Klett, Grundwissen Literatur

2. Persönliche Anteilnahme an der Gestalt des Sokrates

a) Brechts Anteilnahme: "Ermattet ließ der Arme die massigen Schultern vorsinken"

b) Anteilnahme des Lesers "Der Ruf der Tapferkeit scheint uns ganz gerechtfertigt." (75) "Jedermann weiß,.."


Nutzungshinweis
- heker -