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Bilder von der Rolle
der Frau
Arthur
Schopenhauer
Über
die Weiber
(Kapitel
XXVII von Parerga
und Paralipomena II)
Der
Text folgt wort-
und zeichengetreu
der autorisierten Ausgabe letzter Hand:
Erstausgabe
Berlin, A. W. Hayn 1851
§.
362.
§.
363.
Schon
der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, daß das Weib weder zu großen
geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist. Es trägt
die Schuld des Lebens nicht durch Thun, sondern durch Leiden ab, durch
die Wehen der Geburt, die Sorgfalt für das Kind, die Unterwürfigkeit
unter den Mann, dem es eine geduldige und aufheiternde Gefährtin seyn
soll. Die heftigsten Leiden, Freuden und Kraftäußerungen sind
ihm nicht beschieden; sondern sein Leben soll stiller, unbedeutsamer und
gelinder dahinfließen, als das des Mannes, ohne wesentlich glücklicher,
oder unglücklicher zu seyn.
§.
364.
Zu
Pflegerinnen und Erzieherinnen unserer ersten Kindheit eignen die Weiber
sich gerade dadurch, daß sie selbst kindisch, läppisch und kurzsichtig,
mit Einem Worte, Zeit Lebens große Kinder sind: eine Art Mittelstufe,
zwischen dem Kinde und dem Manne, als welcher der eigentliche Mensch ist.
Man betrachte nur ein Mädchen, wie sie, Tage lang, mit einem Kinde
tändelt, herumtanzt und singt, und denke sich, was ein Mann, beim
besten Willen, an ihrer Stelle leisten könnte.
§.
365.
Mit
den Mädchen hat es die Natur auf Das, was man, im dramaturgischen
Sinne, einen Knalleffekt nennt, abgesehn, indem sie dieselben, auf wenige
Jahre, mit überreichlicher Schönheit, Reiz und Fülle ausstattete,
auf Kosten ihrer ganzen übrigen Lebenszeit, damit sie nämlich,
während jener Jahre, der Phantasie eines Mannes sich in dem Maaße
bemächtigen könnten, daß er hingerissen wird, die Sorge
für sie auf Zeit Lebens, in irgend einer Form, ehrlich zu übernehmen;
zu welchem Schritte ihn zu vermögen, die bloße vernünftige
Ueberlegung keine hinlänglich sichere Bürgschaft zu geben schien.
Sonach hat die Natur das Weib, eben wie jedes andere ihrer Geschöpfe,
mit den Waffen und Werkzeugen ausgerüstet, deren es zur Sicherung
seines Daseyns bedarf, und auf die Zeit, da es ihrer bedarf; wobei sie
denn auch mit ihrer gewöhnlichen Sparsamkeit verfahren ist. Wie nämlich
die weibliche Ameise, nach der Begattung, die fortan überflüssigen,
ja, für das Brutverhältniß gefährlichen Flügel
verliert; so meistens, nach einem oder zwei Kindbetten, das Weib seine
Schönheit; wahrscheinlich sogar aus dem selben Grunde.
Dem
entsprechend halten die jungen Mädchen ihre häuslichen, oder
gewerblichen Geschäfte, in ihrem Herzen, für Nebensache, wohl
gar für bloßen Spaaß: als ihren allein ernstlichen Beruf
betrachten sie die Liebe, die Eroberungen und was damit in Verbindung steht,
wie Toilette, Tanz u.s.w.
§.
366.
Je
edeler und vollkommener eine Sache ist, desto später und langsamer
gelangt sie zur Reife. Der Mann erlangt die Reife seiner Vernunft und Geisteskräfte
kaum vor dem acht und zwanzigsten Jahre; das Weib mit dem achtzehnten.
Aber es ist auch eine Vernunft danach: eine gar knapp gemessene. Daher
bleiben die Weiber ihr Leben lang Kinder, sehn immer nur das Nächste,
kleben an der Gegenwart, nehmen den Schein der Dinge für die Sache
und ziehn Kleinigkeiten den wichtigsten Angelegenheiten vor. Die Vernunft
nämlich ist es, vermöge deren der Mensch nicht, wie das Thier,
bloß in der Gegenwart lebt, sondern Vergangenheit und Zukunft übersieht
und bedenkt; woraus dann seine Vorsicht, seine Sorge und häufige Beklommenheit
entspringt. Der Vortheile, wie der Nachtheile, die Dies bringt, ist das
Weib, in Folge seiner schwächern Vernunft, weniger theilhaft: vielmehr
ist dasselbe ein geistiger Myops, indem sein intuitiver Verstand in der
Nähe scharf sieht, hingegen einen engen Gesichtskreis hat, in welchen
das Entfernte nicht fällt; daher eben alles Abwesende, Vergangene,
Künftige, viel schwächer auf die Weiber wirkt, als auf uns. So
viele Nachtheile nun auch Dies mit sich führt, so hat es doch das
Gute, daß das Weib mehr in der Gegenwart aufgeht, als wir, und daher
diese, wenn sie nur erträglich ist, besser genießt, woraus die
dem Weibe eigenthümliche Heiterkeit hervorgeht, welche sie zur Erholung
des sorgenbelasteten Mannes eignet.
Aus
der selben Quelle ist es abzuleiten, daß die Weiber mehr Mitleid
und daher mehr Menschenliebe und Theilnahme an Unglücklichen zeigen,
als die Männer; hingegen im Punkte der Gerechtigkeit, Redlichkeit
und Gewissenhaftigkeit, diesen nachstehn. Denn in Folge ihrer schwachen
Vernunft übt das Gegenwärtige, Anschauliche, unmittelbar Reale
eine Gewalt über sie aus, gegen welche die abstrakten Gedanken, die
stehenden Maximen, die festgefaßten Entschlüsse, überhaupt
die Rücksicht auf Vergangenheit und Zukunft, auf Abwesendes und Entferntes,
selten viel vermögen. Demnach haben sie zur Tugend wohl das Erste
und Hauptsächliche, hingegen gebricht es bei ihnen am Sekundären,
am oft nothwendigen Werkzeug zu derselben. Man könnte sie, in dieser
Hinsicht, einem Organismus vergleichen, der zwar die Leber, aber nicht
die Gallenblase hätte. Ich verweise hierüber auf §. 17 meiner
Abhandlung über das Fundament der Moral. – Demgemäß wird
man als den Grundfehler des weiblichen Charakters Ungerechtigkeit finden.
Er entsteht zunächst aus dem dargelegten Mangel an Vernünftigkeit
und Ueberlegung, wird zudem aber noch dadurch unterstützt, daß
sie, als die schwächeren, von der Natur nicht auf die Kraft, sondern
auf die List angewiesen sind: daher ihre instinktartige Verschlagenheit
und ihr unvertilgbarer Hang zum Lügen. Denn, wie den Löwen mit
Klauen und Gebiß, den Elephanten mit Stoßzähnen, den Eber
mit Hauern, den Stier mit Hörnern und die Sepia mit der wassertrübenden
Tinte, so hat die Natur das Weib mit Verstellungskunst ausgerüstet,
zu seinem Schutz und Wehr, und hat alle die Kraft, die sie dem Manne als
körperliche Stärke und Vernunft verlieh, dem Weibe in Gestalt
jener Gabe zugewendet. Die Verstellung ist ihm daher angeboren, deshalb
auch fast so sehr dem dummen, wie dem klugen Weibe eigen. Von derselben
bei jeder Gelegenheit Gebrauch zu machen ist ihm daher so natürlich,
wie jenen Thieren, beim Angriff, sogleich ihre Waffen anzuwenden. Darum
ist ein ganz wahrhaftes, unverstelltes Weib vielleicht unmöglich.
Eben deshalb durchschauen sie fremde Verstellung so leicht, daß es
nicht rathsam ist, ihnen gegenüber, es damit zu versuchen. – Aus dem
aufgestellten Grundfehler und seinen Beigaben entspringt aber Falschheit,
Treulosigkeit, Verrath, Undank u.s.w.
§.
367.
Für
die Propagation des Menschengeschlechts zu sorgen, sind von Natur die jungen,
starken und schönen Männer berufen; damit das Geschlecht nicht
ausarte. Dies ist hierin der feste Wille der Natur, und dessen Ausdruck
sind die Leidenschaften der Weiber. Jenes Gesetz geht, an Alter und Kraft,
jedem andern vor. Daher Wehe Dem, der seine Rechte und Interessen so stellt,
daß sie demselben im Wege stehn: sie werden, was er auch sage und
thue, beim ersten bedeutenden Anlaß, unbarmherzig zermalmt werden.
Denn die geheime, unausgesprochene, ja, unbewußte, aber angeborene
Moral der Weiber ist: »wir sind berechtigt, Die zu hintergehn, welche
dadurch, daß sie für uns, das Individuum, spärlich sorgen,
ein Recht über die Species erlangt zu haben vermeinen. Die Beschaffenheit
und folglich das Wohl der Species, ist, mittelst der nächsten, von
uns ausgehenden Generation, in unsere Hände gelegt und unsrer Sorgfalt
anvertraut: wir wollen es gewissenhaft verwalten.« Aber keineswegs
sind die Weiber sich dieses obersten Grundsatzes in abstracto, sondern
bloß in concreto bewußt, und haben für denselben
keinen andern Ausdruck, als, wenn die Gelegenheit kommt, ihre Handlungsweise;
bei welcher das Gewissen ihnen meistens mehr Ruhe läßt, als
wir vermuthen, indem sie, im dunkelsten Grunde ihres Herzens, sich bewußt
sind, in der Verletzung ihrer Pflicht gegen das Individuum die gegen die
Species um so besser erfüllt zu haben, deren Recht unendlich größer
ist. – Die nähere Erläuterung dieses Sachverhältnisses liefert
das 44.Kap. des 2.Bandes meines Hauptwerks.
§.
368.
Zwischen
Männern ist von Natur bloß Gleichgültigkeit; aber zwischen
Weibern ist schon von Natur Feindschaft. Es kommt wohl daher, daß
das odium
figulinum, welches bei Männern sich auf ihre jedesmalige
Gilde beschränkt, bei Weibern das ganze Geschlecht umfaßt; da
sie Alle nur Ein Gewerbe haben. Schon beim Begegnen auf der Straße
sehn sie einander an, wie Guelfen und Ghibellinen. Auch treten zwei Weiber,
bei erster Bekanntschaft, einander sichtbarlich mit mehr Gezwungenheit
und Verstellung entgegen, als zwei Männer in gleichem Fall. Daher
kommt auch das Komplimentiren zwischen zwei Weibern viel lächerlicher
heraus, als zwischen Männern. Ferner, während der Mann, selbst
zu dem tief unter ihm Stehenden, doch, in der Regel, immer noch mit einer
gewissen Rücksicht und Humanität redet, ist es unleidlich anzusehn,
wie stolz und schnöde meistentheils ein vornehmes Weib sich gegen
ein niederes (nicht in ihrem Dienste stehendes) gebärdet, wann sie
mit ihr spricht. Es mag daher kommen, daß bei Weibern aller Unterschied
des Ranges viel prekärer ist, als bei uns, und viel schneller sich
ändern und aufheben kann; weil, während bei uns hundert Dinge
auf die Waagschale kommen, bei ihnen nur Eines entscheidet, nämlich
welchem Manne sie gefallen haben; wie auch daher, daß sie, wegen
der Einseitigkeit ihres Berufs, einander viel näher stehn, als die
Männer, weshalb sie die Standesunterschiede hervorzuheben suchen.
§.
369.
Mit
mehr Fug, als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht
das unästhetische nennen. Weder für Musik, noch Poesie, noch
bildende Künste haben sie wirklich und wahrhaftig Sinn und Empfänglichkeit;
sondern bloße Aefferei, zum Behuf ihrer Gefallsucht, ist es, wenn
sie solche affektiren und vorgeben. Schon
Rousseau hat es gesagt: les
femmes, en général, n’aiment aucun art, ne se connoissent
à aucun, et n’ont aucun génie
(lettre à d’Alembert, note x x).Auch
wird Jeder, der über den Schein hinaus ist, es schon bemerkt haben.
Man darf nur die Richtung und Art ihrer Aufmerksamkeit im Koncert, Oper
und Schauspiel beobachten, z.B. die kindliche Unbefangenheit sehn, mit
der sie, unter den schönsten Stellen der größten Meisterwerke,
ihr Geplapper fortsetzen. Wenn wirklich die Griechen die Weiber nicht ins
Schauspiel gelassen haben; so thaten sie demnach recht daran; wenigstens
wird man in ihren Theatern doch etwas haben hören können. – Man
kann von den Weibern auch nichts Anderes erwarten, wenn man erwägt,
daß die eminentesten Köpfe des ganzen Geschlechts es nie zu
einer einzigen wirklich großen, ächten und originellen Leistung
in den schönen Künsten haben bringen, überhaupt nie irgend
ein Werk von bleibendem Werth haben in die Welt setzen können: Diesem
entspricht es eben, daß die gewöhnlichen nicht ein Mal eigentliche
Empfänglichkeit dafür haben: denn natura
non facit saltus. Einzelne und theilweise Ausnahmen ändern
die Sache nicht; sondern die Weiber sind und bleiben, im Ganzen genommen,
die gründlichsten und unheilbarsten Philister: deshalb sind sie, bei
der höchst absurden Einrichtung, daß sie Stand und Titel des
Mannes theilen, die beständigen Ansporner seines unedlen Ehrgeizes;
und ferner ist, wegen der selben Eigenschaft, ihr Vorherrschen und Tonangeben
der Verderb der modernen Gesellschaft. Chamfort
sagt sehr richtig: elles
sont faites pour commercer avec nos faiblesses, avec notre folie, mais
non avec notre raison. Il existe entre elles et les hommes des sympathies
d’épiderme, et très-peu de sympathies d’esprit, d’âme
et de caractère.So
haben eben auch die Alten und die orientalischen Völker die Weiber
angesehn und danach die ihnen angemessene Stellung viel richtiger erkannt,
als wir, mit unsrer altfranzösischen Galanterie und abgeschmackten
Weiberveneration, dieser höchsten Blüthe christlich-germanischer
Dummheit, welche nur gedient hat, sie so arrogant und rücksichtslos
zu machen, daß man bisweilen an die heiligen Affen in Benares erinnert
wird, welche, im Bewußtseyn ihrer Heiligkeit und Unverletzlichkeit,
sich Alles und Jedes erlaubt halten.
§.
370.
In
unserm monogamischen Welttheile heißt heirathen seine Rechte halbiren
und seine Pflichten verdoppeln. Jedoch als die Gesetze den Weibern gleiche
Rechte mit den Männern einräumten, hätten sie ihnen auch
eine männliche Vernunft verleihen sollen. Je mehr hingegen die Rechte
und Ehren, welche die Gesetze dem Weibe zuerkennen, das natürliche
Verhältniß desselben übersteigen, desto mehr verringern
sie die Zahl der Weiber, die wirklich dieser Vergünstigungen theilhaft
werden, und nehmen allen übrigen so viel von den naturgemäßen
Rechten, als sie jenen darüber gegeben haben. Denn bei der widernatürlich
vortheilhaften Stellung, welche die monogamische Einrichtung und die ihr
beigegebenen Ehegesetze dem Weibe ertheilen, tragen kluge und vorsichtige
Männer sehr oft Bedenken, ein so großes Opfer zu bringen und
auf ein so ungleiches Paktum einzugehn. Während daher bei den polygamischen
Völkern jedes Weib Versorgung findet, ist bei den monogamischen die
Zahl der verehelichten Frauen beschränkt und bleibt eine Unzahl stützeloser
Weiber übrig, die in den höhern Klassen als unnütze, alte
Jungfern vegetiren, in den untern aber unangemessen schwerer Arbeit obliegen,
oder auch Freudenmädchen werden, die ein so freuden-, wie ehrloses
Leben führen, unter solchen Umständen aber zur Befriedigung des
männlichen Geschlechtes nothwendig werden, daher als ein öffentlich
anerkannter Stand auftreten, mit dem speciellen Zweck, jene vom Schicksal
begünstigten Weiber, welche Männer gefunden haben, oder solche
hoffen dürfen, vor Verführung zu bewahren. Zudem aber hat die
Ertheilung unnatürlicher Rechte dem Weibe unnatürliche Pflichten
aufgelegt, deren Verletzung sie jedoch unglücklich macht. Manchem
Manne nämlich machen Standes- oder Vermögensrücksichten
die Ehe, wenn nicht etwan glänzende Bedingungen sich daran knüpfen,
unräthlich. Er wird alsdann wünschen, sich ein Weib, nach seiner
Wahl, unter andern, ihr und der Kinder Loos sicher stellenden Bedingungen
zu erwerben. Seien nun diese auch noch so billig, vernünftig und der
Sache angemessen, und sie giebt nach, indem sie nicht auf den unverhältnißmäßigen
Rechten, welche allein die Ehe gewährt, besteht; so wird sie, weil
die Ehe die Basis der bürgerlichen Gesellschaft ist, dadurch in gewissem
Grade ehrlos und hat ein trauriges Leben zu führen; weil ein Mal die
menschliche Natur es mit sich bringt, daß wir auf die Meinung Anderer
einen ihr völlig unangemessenen Werth legen. Giebt sie hingegen nicht
nach; so läuft sie Gefahr, entweder einem ihr widerwärtigen Manne
ehelich angehören zu müssen, oder als alte Jungfer zu vertrocknen:
denn die Frist ihrer Unterbringbarkeit ist sehr kurz. In Hinsicht auf diese
Seite unsrer monogamischen Einrichtung ist des Thomasius grundgelehrte
Abhandlung de concubinatu höchst lesenswerth, indem man daraus
ersieht, daß, unter allen gebildeten Völkern und zu allen Zeiten,
bis auf die Lutherische Reformation herab, das Konkubinat eine erlaubte,
ja, in gewissem Grade sogar gesetzlich anerkannte und von keiner Unehre
begleitete Einrichtung gewesen ist, welche von dieser Stufe bloß
durch die Lutherische Reformation herabgestoßen wurde, als welche
hierin ein Mittel mehr zur Rechtfertigung der Ehe der Geistlichen erkannte;
worauf denn die katholische Seite auch darin nicht hat zurückbleiben
dürfen.
§.
371.
In
Hindostan ist kein Weib jemals unabhängig, sondern jedes steht unter
der Aufsicht des Vaters, oder des Gatten, oder des Bruders, oder des Sohnes.
Daß Wittwen sich mit der Leiche des Gatten verbrennen ist freilich
empörend; aber daß sie das Vermögen, welches der Gatte,
sich getröstend, daß er für seine Kinder arbeite, durch
den anhaltenden Fleiß seines ganzen Lebens erworben hat, nachher
mit ihren Buhlen durchbringen ist auch empörend. Mediam
tenuere
beati. – Wenigstens sollten Weiber niemals über ererbtes,
eigentliches Vermögen, also Kapitalien, Häuser und Landgüter,
freie Disposition haben. – Aristoteles setzt, in der Politik, B.II.c.9,
aus einander, welche große Nachtheile den Spartanern daraus erwachsen
sind, daß bei ihnen den Weibern zu viel eingeräumt war, indem
sie Erbschaft, Mitgift und große Ungebundenheit hatten, und wie dieses
zum Verfall Sparta’s viel beigetragen hat. – Sollte nicht in Frankreich
der seit LudwigXIII.
immer wachsende Einfluß der Weiber Schuld seyn am allmäligen
Verderben des Hofes und der Regierung, welches die erste Revolution herbeiführte,
deren Folge alle nachherigen Umwälzungen gewesen sind?
Daß
das Weib, seiner Natur nach, zum gehorchen bestimmt sei, giebt sich daran
zu erkennen, daß eine Jede, welche in die ihr naturwidrige Lage gänzlicher
Unabhängigkeit versetzt wird, alsbald sich irgend einem Manne anschließt,
von dem sie sich lenken und beherrschen läßt; weil sie eines
Herrn bedarf. Ist sie jung, so ist es ein Liebhaber; ist sie alt, ein Beichtvater.
[Aus: http://www.avenarius.sk/schopenhauer/parerga2/weiber.htm
Eine neuere Fassung gibt es unter: http://gutenberg.spiegel.de/schopenh/weiber/weiber.htm]
Hedwig Dohm
Der Frauen Natur und
Recht
Zur
Frauenfrage zwei Abhandlungen über Eigenschaften und Stimmrecht der
Frauen
Berlin
1876
Die Männer, indem sie von den Eigenschaften
der Frauen sprechen, haben gewiß alle Recht. Ganz gewiß gibt
es Frauen, die nur für die körperliche Nachwelt da sind, es gibt
geschwätzige, sanfte, intrigante, blutgierige, grausame Weiber, es
gibt unter den Frauen: Aeolsharfen, Engel, Teufel, Sphynxe, Tugendspiegel
und Drachen. Unsere männlichen Psychologen begehen nur den Irrthum,
daß sie entweder individuelle Eigenschaften, wie sie ihnen an den
einzelnen Exemplaren ihrer weiblichen Bekanntschaften aufgefallen sind,
für den Geschlechtscharakter des Weibes halten, oder daß sie
wenigstens den Charakter einzelner Frauenklassen auf das ganze Geschlecht
übertragen.
In der That unterscheiden sich die Frauen in gewissen
Grundzügen ihres Charakters, gerade wie die Männer, je nach ihrer
Lebenslage, ihrer Klasse und ihrer Erziehung.
Eigenthümlichkeiten aber, die einer speziellen
Lage ihren Ursprung verdanken, bilden mitnichten den weiblichen Geschlechtscharakter.
Wenn man Neigung zum Dulden, Sanftmuth, Passivität,
Unterwürfigkeit, Gehorsam und ähnliche Charakterzüge als
weibliche Eigenart bezeichnet, so schreibt sich diese Charakteristik möglicherweise
aus dem barbarischen Mittelalter her, wo allerdings die Frau dieser Eigenschaften
zu ihrer Existenz bedurfte; denn in den Zeiten, als das Faustrecht herrschte,
hatte die Frau, die nicht zu Kreuze kroch, die angenehme Aussicht, ersäuft,
gestäupt, zu Boden geschlagen oder in Burgverließen zu Tode
gehungert zu werden. Wenn mir einer sagte: Gehorche oder ich breche dir
das Genick! o wie geschwind würde ich gehorchen.
Wenn die Frau, und wäre sie die verwegenste
ihres Geschlechtes in ihrer Rebellion gegen den Mann, einige Male seine
schwere Hand gefühlt hat, so bleibt ihr nur eine Wahl: Märtyrer-
oder Duckmäuserthum. Das Dienstmädchen, das in großen Städten
von früher Jugend an in der Welt herumgestoßen ward, und zwischen
Ostern und Michaeli in steter Wanderschaft von einer Herrschaft zur anderen
begriffen ist, hat seinen Charakter im Strom der Welt gebildet und ist
meist höchst impertinent, dreist und anspruchsvoll. Schüchterne
und sanfte Köchinnen sind so selten wie schüchterne Lieutenants.
Dagegen besteht der Geschlechtscharakter eines Mädchens aus dem Bürgerstande
(in Deutschland) allerdings, wie es die herkömmliche conventionelle
Erziehung mit sich bringt, vorzugsweise in Schüchternheit, Unbeholfenheit,
Zurückhaltung und Passivität.
Das Salonleben producirt träge, intrigante,
graciöse, putzsüchtige und nervöse Individuen, die "demi
monde" üppige, herzlose, verschwenderische und raffinirte Exemplare
der Weiblichkeit. –
Dieser Einfluß der socialen Stellung der Frau
auf ihre Charakterbildung wird meistens ignorirt und man führt die
Art und Weise ihres Denkens, Handelns und Fühlens auf einen angebornen
Geschlechtscharakter zurück.
So sagt z. B. ein Schriftsteller (wenn ich nicht
irre, Klemm in seiner "Geschichte der Frauen") "Auch beim Selbstmord zeigt
sich der Unterschied der Geschlechter. Die Männer gebrauchten zu allen
Zeiten vornehmlich ihre Waffen, Schwert, Dolch; sie erstechen sich, schneiden
sich die Gurgel ab und nach Erfindung des Pulvers die Feuerwaffe. Die Frauen
dagegen hängen sich auf oder springen in’s Wasser."
Der Schriftsteller sieht in diesen verschiedenen
Formen der Selbstmorde ein Hervorbrechen männlicher und weiblicher
Eigenart.
Dagegen steigt in meiner Seele ein kühner Gedanke
auf. Sollte es nicht einige Berechtigung haben, die von den Männern
vorzugsweise gewählten Todesarten auf den Umstand zurückzuführen,
daß dieses Geschlecht von jeher in der Führung der Waffen geübt
ward und Waffen besitzt, während das sich ersäufende und sich
hängende Geschlecht der Frauen mit der Handhabung dieser Mordinstrumente
nicht vertraut ist?
Wir haben gehört, welchen Charakter die Frauen
nach der Meinung der Männer besitzen, das heißt, wir haben in
Erfahrung gebracht, daß, wo es sich um weibliche Eigenschaften handelt,
die Männer ein unentwirrbares Knäuel widerspruchsvoller Meinungen
produciren.
Ganz anders aber verhalten sie sich, wenn sie von
denjenigen Eigenschaften sprechen, die Frauen haben sollen und haben müßten,
und die, ihrer Meinung nach, den von der Natur gewollten Frauen-Typus veranschaulichen.
Hier begegnen wir einer überraschenden Uebereinstimmung der Männer
aller Zeiten, aller Völker, Klassen und Stände.
2) Die Frau soll sein nach dem Verdikt der Männer:
Sanft, liebevoll, weich, fügsam, bescheiden, receptiv, passiv, keusch,
sittsam, aufopferungsvoll, schüchtern, unschuldig u.s.w.
Die Männer sind, wie wir gesehen haben, weit
entfernt zu behaupten, daß die Frauen diese Eigenschaften besitzen.
Die Wirklichkeit ist zu handgreiflich, um sie wegzuleugnen,
und am Ende lassen sich doch alle energischen, heftigen, selbstständigen,
leidenschaftlichen, klugen Frauen nicht ohne weiteres unserm Gesichtskreis
entrücken.
Was bestimmt nun also die Männer, jene angeführten
Eigenschaften, die ihrer empirischen Wahrnehmung nicht entsprechen, für
den eigentlichen Charakter des Weibes zu halten?
[Aus: http://gutenberg.spiegel.de/dohm/naturech/Druckversion_naturech.htm]
Paul
Möbius
Über
den physiologischen Schwachsinn des Weibes
(1898)
Die
ersten Abiturientinnen verließen 1896 die Schulen, und der Druck
auf Zulassung zum Studium nahm zu. Studenten, Wissenschaftler und Professoren
wehrten sich nach Kräften. Sie argumentierten, das Ansehen der Wissenschaft
würde sinken, die Anwesenheit von Frauen verletze das Schamgefühl
und führe zum Sittenverfall, die Gesundheit der Frauen leide, Menstruation,
Schwangerschaft, Wechseljahre sowie ihre kleineren und andersartigen Gehirne
zeigten die biologische Unfähigkeit der Frau zum Studium.
Besonders
unrühmlich tat sich hier der Neurologe Paul
Möbius
hervor. In seinem viel gelesenen Pamphlet Über
den physiologischen Schwachsinn des Weibes
von 1898 heißt es [Es geht um den Zugang der Frauen zum Universitätsstudium]:
„Gelehrte
und künstlerische Frauen sind Ergebnisse der Entartung. ... Die wenigen
weiblichen Gelehrten, deren Namen die Geschichte der letzten zwei Jahrtausende
enthält, waren gute Schüler, nichts weiter. ... Übermäßige
Gehirntätigkeit macht das Weib nicht nur verkehrt, sondern auch krank.
…Nach alledem ist der weibliche Schwachsinn nicht nur vorhanden, sondern
auch notwendig. ... Jemand hat gesagt, man solle von dem Weibe nicht mehr
verlangen, als dass es "gesund und dumm" sei...Die modernen Närrinnen
sind schlechte Gebärerinnen und schlechte Mütter. ... In dem
Grade, in dem die "Zivilisation" wächst, sinkt die Fruchtbarkeit,
je besser die Schulen werden, um so schlechter werden die Wochenbetten,
um so geringer wird die Milchabsonderung, kurz: um so untauglicher werden
die Weiber.“
[Kompiliert aus:
http://www.anna-schmidt-schule.de/FB3/FIT/FIT_19.HTM]
und:
http://www.akf-info.de/conpresso/3_4_aktuell/detail.php?nr=356&kategorie=3_4_aktuell
Aufgabe 1:
„Geert, wenn er nicht irre,
habe die Bedeutung von einem schlank aufgeschlossenen Stamm und Effi sei
dann also der Efeu, der sich darum zu ranken habe“(Fontane, Effi Briest,
S. 15)
Welches Frauenbild wird hier durch Effis Vater an der Verlobungsfeier
deutlich?
Aufgabe 2:
Lesen Sie die Texte durch. Kürzen Sie die Texte mit einem Textverarbeitungsprogramm
auf ihren wesentlichen Inhalt. Markieren Sie sodann die zentralen Stellen.
Tragen Sie die jeweils den Frauen zugeschriebenen Eigenschaften in die
Tabelle ein. Stellen Sie die Positionen von Möbius und Schopenhauer
der Position von Hedwig Dohm in der Tabelle gegenüber. |