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DER INHALT
Mit 16 Jahren wird die junge Effi Briest dem Landrat von Innstetten
mit Wohnsitz im östlich gelegenen Kessin - für Effi tiefste Provinz
- zugesprochen. Effi selber willigt ein, da sie einen Mann mit Stellung
eher akzeptieren würde als einen jungen Mann ohne Rang und Profil.
Im Hinblick auf die aussichtsreiche Zukunft an der Seite eines Mannes mit
bestem Ruf und ge-sicherter Stellung wird die Ehe zwischen der 17-jährigen
Effi und dem um 21 Jahre älteren Baron geschlossen.
Schon nach kurzer Zeit fühlt sich die im Grunde noch kindliche
Frau des im Ausdruck von Empfindungen zurückhaltenden, auf Korrektheit
bedachten Landrats vereinsamt; Innstetten war "lieb und gut, aber ein Liebhaber
war er nicht."
In Kessin leidet Effi unter der Trennung von ihren Spielgefährten,
unter der Teilnahmslo-sigkeit ihres Gatten, unter der Furcht vor Gespenstern,
die von ihrem Mann offensichtlich bewusst genährt wird, unter mangelnden
Kontakten, da die adlige Gesellschaft im Umkreis weder menschlich noch
kulturell etwas zu bieten hat, und schließlich unter ihrem schlechten
Gewissen, da sie zu Major Crampas eine intime Beziehung aufnimmt.
Nach der Geburt ihrer Tochter Anni hatte Effi die Bekanntschaft des
neuen Bezirkskomman-danten Major von Crampas, bekannt als leichtsinniger
"Damenmann" gemacht.
Als sich ihrem Mann mit einer Beförderung zum Ministerialrat auch
ein Wohnungswechsel nach Berlin anbietet, nutzt Effi eine Kur aus, um schon
vor der Zeit Kessin zu verlassen und damit auch das Verhältnis zu
Major Crampas zu unterbinden.
6 Jahre später findet ihr Mann, von Innstetten, per Zufall Briefe,
welche auf diese Bezie-hung hinweisen. Er sieht sich gezwungen, den ehemaligen
Rivalen zum Duell zu fordern, tötet diesen im Duell und verbietet
Effi das Haus und den Umgang mit der Tochter. Auch die Eltern Effis, die
durch Briefe einen engen Kontakt mir ihr halten, verbieten ihr zunächst
das Haus - sie lebt, zunehmend kränkelnd, in einer bescheidenen Berliner
Wohnung - sor-gen aber für ihren Unterhalt. Unter dem Eindruck der
erneuten Trennung von der "Familie" erkrankt Effi, wird schließlich
auf ärztliche Intervention hin doch von ihren Eltern aufge-nommen.
Das nach langem Bitten gewährte Wiedersehen mit der nun 10-jährigen
Tochter löst, durch deren abweisendes Verhalten, den physischen Zusammenbruch
aus. Sie stirbt ohne alle Bitterkeit gegenüber Innstetten, von dem
sie weiß, dass er "so edel" war, "wie jemand sein kann, der ohne
rechte Liebe ist". Die Frage der Schuld erscheint, so Effis Vater, als
"ein zu weites Feld".
DIE SCHULDFRAGE
KURZINTERPRETATION
Effi wird von Briest als "Efeu" gedeutet, das sich um den Stamm (Geert
von Innstetten) her-umranke. Die Abhängigkeit Effis von ihren Eltern
wird durch die neue, kältere Abhängigkeit von ihrem Mann ersetzt.
Diese Abhängigkeit wird durch die gesellschaftliche Isolation im ländlichen
Kessin und durch die Gespensterfurcht verstärkt. Schlimmer noch als
diese Fak-toren dürfte die im Roman gar nicht weitere problematisierte
Kommunikation zwischen den Eheleuten wirken, die von Seiten von Innstettens
durch die Form der doppelten Rede ge-prägt wird. Ergebnis ist eine
Form der zerfallenen Kommunikation, die eine wirkliche Ver-ständigung
unmöglich macht. Allein gelassen mit den "Gespenstern" bietet ihr
Crampas die Möglichkeit, über ihre Situation nachzudenken und
ihr Anlehnungsbedürfnis zu befriedigen. Zunächst geht Effi aus
dieser Krise gestärkt nach Berlin, die Beziehung stabilisiert sich
und von Innstetten erhält menschliche Züge, was sich auch durch
eine stärkere Charakterisie-rung seiner Gefühle und seiner Hoffnungen
äußert. Irritiert wird dieses Glück nur noch teil-weise
durch Effis Schuldgefühl über mögliches Komödienspiel
bezüglich ihrer abgeschlosse-nen Affäre, ein Schuldgefühl,
das aber mit den Jahren verblasst und sich nie auf die eigent-liche Affäre
bezogen hat. Mit der Entdeckung der Affäre, die bezüglich der
emotionalen Ver-armung Effis in Kessin offen zu Tage lag, werden Effi alle
"Stützen" entzogen. Das tragische Ende ist damit trotz aller Abschwächungsversuche
durch Besuch der Tochter, Übernahme des Hundes und Aufnahme bei den
Eltern vorprogrammiert.
Effi, die die Strafe trotz anfänglicher Kritik für sich akzeptiert,
stirbt, weil sie sich nicht aus ihrer emotionalen und gesellschaftlichen
Abhängigkeit emanzipieren kann. Die histori-sche Effi engagierte sich
im Pflegebereich und erreichte ein ansehnliches Alter.
Zu fragen wäre, warum Fontane die Perspektive Effis gegen Ende
des Romans verlässt und zur Sicht von Innstetten umschwenkt, die trotz
aller Einschränkungen selbst noch durch Effi bestätigt werden
muss. Ist dies die Bankrotterklärung eines Dichters vor der Gesell-schaft
oder sollte eben durch fehlende Perspektive für eine Emanzipation
auf die Misere der Epoche hingewiesen werden, die auf dem Höhepunkt
ihrer Krise Sigmund Freud und die Psychoanalyse, den Krieg, den Zusammenbruch
des Systems, schließlich aber auch das all-gemeine Wahlrecht auch
für Frauen hervorgebracht hat.
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