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Das Motiv der Schaukel
Von
Innstetten beugt sich dem Gesetz eines als inhaltsleer und lebensfeindlich
durchschauten Ehrbegriffs:
„Diese Komödie muss ich nun fortsetzen und muss Effi wegschicken
und sie ruinieren und mich mit [...].“
Dies verdeutlicht - als Sinnbild einer Gegenwelt - die Schaukel Effis
im Garten des Elternhauses.
„Effi, eigentlich hättest du doch wohl Kunstreiterin werden müssen.
Immer am Trapez, immer Tochter der Luft. Ich glaube fast, dass du so etwas
möchtest",
vermutet die Mutter. Nach Hause zurückgekehrt, überlässt
sich Effi noch einmal ihrem Element:
„Sie sprang hinauf mit einer Behendigkeit wie in ihren jüngsten
Mädchentagen, und ehe sich noch der Alte, der ihr zusah, von seinem
halben Schrecken erholen konnte, huckte sie schon zwischen den zwei Stricken
nieder und setzte das Schaukelbrett durch ein geschicktes Auf- und Niederschnellen
ihres Körpers in Bewegung. Ein paar Sekunden noch, und sie flog durch
die Luft, und bloß mit einer Hand sich haltend, riss sie mit der
anderen ein kleines Seidentuch von Brust und Hals und schwenkte es wie
in Glück und Übermut."
Als „Tochter der Luft" steht Effi Briest in Beziehung zu etwas Elementarem,
das außerhalb der gesellschaftlich geprägten und daher gebundenen
Lebenssphäre liegt.
[Aus: Christoph Wetzel, Lexikon der Autoren und Werke, Stuttgart, Klett
1986, S. 70] |