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Rainer Werner Fassbinder
Leben
/ Werk
Geb: 31. Mai 1945 in Bad Wörishofen.
Schon zu Lebzeiten ein My-thos wegen seiner schier unerschöpflichen
Schaffens-kraft, Exzessivität und Kreativität, hat sein früher
Tod die Legendenbildung noch verstärkt. Am 10. Juni 1982 wurde der
Filmema-cher in seiner Münchner Wohnung tot aufgefunden. Er starb
im Alter von 37 Jahren vermutlich durch die gleichzeitige Einnahme von
Kokain und Schlaftabletten. Seine Urne wurde auf dem kleinen Künstlerfriedhof
in München-Bogenhausen beigesetzt. |
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VORBEMERKUNGEN ZU DEN
VERFILMUNGEN
Was den Bekanntheitsgrad
des Romans begründete, ist wohl auch verantwortlich dafür, dass
in der deutschsprachigen Literatur kein Roman häufiger filmisch adaptiert
wurde als dieser.
• Zunächst
scheinen auf formaler Ebene die einsträngige, fast ausschließlich
chronologisch dargebotene Handlung, der hohe Anteil an gestalteten Dialogen
und die konventionellen Erzähltechniken eine Verfilmung zu favorisieren.
• Zudem thematisiert
der Roman moralische und gesellschaftliche Konflikte, die über die
Schichtspezifik hinaus von allgemeinem Interesse zu sein scheinen. Dies
belegt der hohe Bekanntheitsgrad und die weite Verbreitung anderer themenähnlicher
Gesellschaftsromane:
Fontane:
L’Adultera
Flaubert:
Madame Bovary
Tolstoi:
Anna Karenina.
• Der Roman
spielt in einer Zeit, in der die angesprochenen moralischen und gesellschaftlichen
Formen, die vorgefundenen Denk- und Verhaltensmuster fragwürdig geworden
sind. Eine Identifizierung von Leser/Zuschauer mit Sequenzen des Roman-/Filmgeschehens
ist also leicht möglich.
Insgesamt liegen
vier unterschiedliche Verfilmungen vor:
1. Der
Schritt vom Wege: (Regie: Gustaf Gründgens);
Deutschland 1939, 97 Minuten
Darsteller:
Marianne Hoppe (Effi), Karl Ludwig Diehl (Innstetten), Paul Hartmann
(Crampas),
Paul Bildt (Herr Briest), Käthe Haack (Frau Briest), Elisabeth Flickenschildt
(Tripelli),
Max Gülstorff (Gieshübler), Hans Leibelt (Wüllerdorf).
2. Rosen
im Herbst: (Regie: Rudolf Jugert); BRD
1955, 103 Minuten
Darsteller:
Ruth Leuwerik (Effi), Bernhardt Wicki (Innstetten), Carl Raddatz (Crampas)
Paul
Hartmann (Herr Briest), Lil Dagover (Frau Briest), Günter Lüders
(Gieshübler).
3. Effi
Briest: (Regie: Wolfgang Luderer); DDR
1968, 120 Minuten
Darsteller:
Angelika Domröse (Effi), Horst Schulze ( Innstetten), Dietrich Körner
(Crampas),
Gerhard Bienert (Herr Briest), Inge Keller (Frau Briest), Walter Lendrich
(Gieshübler)
4. Fontane
Effi Briest: (Regie: Rainer Werner Fassbinder)
BRD 1974; 140 Minuten
Darsteller:
Hanna Schygulla (Effi), Wolfgang Schenk (Innstetten), Ulli Lommel
(Crampas)
Lilo
Pempeit (Frau Briest), Herbert Steinmetz (Herr Briest), Hark Bohm (Gieshübler),
Karl-Heinz
Böhm (Wüllersdorf), Ursula Strätz (Roswitha), Irm Hermann
(Johanna).
Rudolf Jugerts
Verfilmung von 1955 „Rosen im Herbst“ kann übergangen werden, da es
sich dabei um einen Spielfilm handelt, der sich um der sentimentalen Effekte
willen von der literarischen Vorlage so weit entfernt, dass von Fontanes
Intention und erzählerischem Zugriff auf den historischen Stoff kaum
noch etwas übrig bleibt.
Gustaf Gründgens:
„Ein Schritt
vom Wege“
Gustaf Gründgens
erfasst, wie sein Titel schon andeutet, nur einen Teilaspekt der lite-rarischen
Vorlage. Bei ihm wird die Gesellschaft nicht in ihrer (für Effi) bedrohlichen
Dimension erfahrbar, viel-mehr entwickelt Gründgens ein an Geselligkeit
reiches Leben in Kessin, eine großzü-gige häusliche Atmosphäre.
So werden gesellschaftliche Auftritte wirkungsvoll aufge-führt. Diese
Auftritte werden zur Inszenierung dramatisch wirkungsvoller Szenen ge-nutzt.
Dieses gilt
auch für die Be-handlung des Chinesen-Motivs. Er zeigt ihn in der
Gestalt einer zufällig im Hausflur des Kessiner Hauses befindlichen
Buddha-Statue. Dieser (in seiner Fremdlän-digkeit und Dickleibigkeit)
sowie der aggressiv seine Zähne fletschende Wolf im Eingangsbereich
des Hauses rufen Effis Furchtsamkeit hervor. Das Auftauchen des Chinesen
bleibt aber isolier-tes Motiv und ohne weiterrei-chende Verweiskraft, da
er weder im Gespräch zwischen Effi und Innstetten erwähnt wird,
noch in Effis Gesprä-chen mit Crampas eine Rolle spielt. So bleibt
ein wichtiger Aspekt des Romans, der „Angstapparat aus Kalkül“ ohne
filmische Realisierung.
Wolfgang
Luderer:
„Effi Briest“
Dem Film von
Luderer ist in manchen Sequenzen anzu-merken, dass er an Gründ-gens
Maß genommen hat, andererseits unterscheidet sich seine Darstellung
der Gesellschaft aber grundsätz-lich von der Gründgens-Inszenierung.
Die Adeligen des pommerschen Landadels sind als militaristische Patrio-ten
gezeichnet, wobei Lude-rer eine satirische Überzeich-nung bewusst
einsetzt. Effi erlebt diesen Landadel mit allen Anzeichen von Lange-weile
und Überdruss.
Seine Behandlung
des Chine-sen-Motivs zeigt auf der ei-nen Seite deutliche Parallelen zu
Gründgens (der Chinese als Buddha-Statue im Haus-flur), andererseits
hält er sich aber genauer als dieser an die Fontane-Vorlage. Durch
Großaufnahme wird der Chi-nese auf dem Binsenstuhl ins Bewusstsein
des Zuschauers gerückt, die wichtigsten Ele-mente des Gesprächs
zwi-schen Innstetten und Effi, bzw. zwischen Effi und Jo-hanna, werden
aufgenom-men, so dass der Chinese zum festen Bestandteil von Effis Welt
in Kessin wird. Je-doch bleiben das Chinesen-Motiv, der gesellschaftliche
„Notstand“ (auf Langeweile reduziert), Innstettens Erzie-hungsapparat und
Effis Angst-Syndrom ohne inneren Zusammenhang.
Rainer Werner Fassbinder:
„Fontane Effi Briest“
Fassbinder ignoriert die filmischen Adoptionen vor ihm, ihm geht es
auch nicht um eine getreue Verfilmung einer literarischen Vorlage, viel-mehr
dient ihm die Vorlage als konkretes Beispiel, um die Unterdrückungsmechanismen
der Gesellschaft und die Anpassung des Individuums daran deutlich zu machen,
um das gesellschaftlich Ex-emplarische an den darge-stellten Verhältnissen
aufzu-zeigen. Darauf verweist schon der ungewöhnlich lan-ge Titel
des Films: „Fontane Effi Briest oder Viele, die eine Ahnung haben von ihren
Möglichkeiten und ihren Bedürfnissen und dennoch das herrschende
System in ihrem Kopf akzeptieren durch ihre Taten und es somit festigen
und es durchaus bestätigen.“
Durch filmtechnische Mittel wird die Atmosphäre der Kühle,
der Distanz (manch-mal bis zum Unerträglichen), der Entfremdung themati-siert:
Personen im Spiegel, in Unschärfe, im filmischen Abseits (Off), Verstellung
der Kamera durch Objekte (Sta-tuen, Blumen, Schleier), Überblendung
von Filmdialog und Off-Erzähler, grelle Weiß-blenden etc.
Das Chinesenmotiv wird bild-lich nicht mehr dargestellt, bleibt aber
im Gespräch als Geschöpf Innstettens und als Symbol gesellschaftlicher
Unterdrückungsmechanismen psychisch ständig präsent. So
hat Fassbinder die im Roman angelegte Gesellschaftskritik nicht nur aufgenommen,
sondern sie auch aus dem Zeithorizont gelöst und zu-sätzlich
verschärft.
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http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/FassbinderRainerWerner/
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/specials/33603/
Eine Filmographie mit 35 Fontane - Verfilmungen:
http://www.landshut.org/members/msagerer/f_film.htm |