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Erstausgabe des "Werther"
mit der Sturm - und - Drang
bedingten starken Flexion |
Goethe, Johann Wolfgang von
Die Leiden des jungen Werthers
[ Nutzungshinweis
]
Werther - Rezeption
"Da sitz ich mit zerflossnem Herzen,
mit klopfender Brust und mit Augen, aus welchen wollüstiger Schmerz
tröpfelt, und sag Dir, Leser, dass ich eben "Die Leiden des jungen
Werther" von meinem lieben Goethe - gelesen? - nein, verschlungen habe.
Kritisieren soll ich? Könnt` ich`s, so hätt ich kein Herz...Soll
ich einige schöne Stellen herausheben? Kann nicht... Kauf`s Buch und
lies selbst!"
[ Christian Daniel Schubart
in: Deutsche Chronik, 5.Dezember 1774 ]
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„Es wird ein Buch verkauft, welches den Titel führt: Leiden
des jungen Werthers usw. Diese Schrift ist eine Apologie und
Empfehlung des Selbst - Mordes; und es ist auch um des Willens gefährlich,
weil es in witziger und einnehmender Schreibart abgefasst ist. Einige gelehrte
und sonst gesetzte Männer haben gesagt, dass sie sich nicht getrauet
hätten das Buch durchzulesen, sondern es etliche Male weggelegt hätten.
Da die Schrift also üble Impressiones machen kann, welche, zumal bei
schwachen Leuten, Weibspersonen, bei Gelegenheit aufwachen, und ihnen verführerisch
werden können; so hat die Theologische Fakultät für nötig
gefunden zu sorgen, dass diese Schrift unterdrücket werde: da zumal
itzo die Exemples des Selbst - Mordes frequenter werden. Daher ich die
Löbl. Bücher Commission im Namen jener hiedurch ersuche, den
Verkauf dieser Schrift zu verbieten, und dadurch üblen Folgen vorbeugen
zu helfen."
[ Dekan der theol. Fakultät zu Leipzig an die Churfürstlich
Sächsische Bücherzensurbehörde am 28. Januar 1775. ]
Der Vertrieb des Buches wurde daraufhin bei 10 Talern Strafe untersagt.
1776 wurde der 'Werther' in den amtlichen österreichischen „Katalog
prohibierter (verbotener) Bücher“ aufgenommen und im gleichen Jahr
auch im Königreich Dänemark verboten.
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"Man
hat mir sagen wollen, dass die Leiden des jungen Werthers in Leipzig konfisziert,
und bei hoher Strafe verboten wären. Wie sehr ist zu wünschen,
dass diese Nachricht Grund haben möge! Sollte dieses auch nicht sein,
so wäre es doch zu wünschen, dass alle Obrigkeiten diesen Schluss
noch fassen, und solchen auf die eklatanteste Art, die möglich ist,
vollziehen möchten. Ich weiß zwar wohl, dass dieses Mittel nicht
zureicht, dieses, so weit ausgestreute Unkraut, auszurotten; allein die
Wirkung würde es doch haben, dass dadurch die Vorstellungen, welche
durch diese so giftige Schrift in vielen, sonderlich jungen Gemütern
veranlasst worden sind, kräftig alteriert, und den leichtsinnigen
Rezensenten Zaum und Gebiss angelegt würden, dass sie es sich nicht
ferner unterstehen würden, ihre Posaunen zum Lobe solcher Schriften
zu erheben.
Ewiger Gott! wer hätte von
uns vor 20 Jahren denken können, dass wir die Zeiten erleben würden,
in welchen mitten in der evangelisch - lutherischen Kirche Apologien für
den Selbstmord erscheinen und in öffentlichen Zeitungen angepriesen
werden dürften. Gehet es auf diesem Fuß fort, so werden wir
bald laudes Sodomiae, wenigstens neue Auflagen, oder gar Übersetzungen
der Aloysia Sigäa sehen. Man darf nur die Scheingründe, mit welchen
man den Selbstmord schmücken will, etwas anders wenden; so werden
sie sich auch bei diesen Gegenständen anbringen lassen. Noch mehr!
ist es eine Heldentat, sich selbst, mit Vorsatz und Überlegung den
Lebensfaden abzuschneiden; so wird es wohl kein so großes Verbrechen
sein, andre, welche uns im Wege stehen auf eine gute Art aus der Welt zu
schaffen.
Kurz! wenn nach den semlerischen
Grundsätzen die heilige Schrift zu Grunde gerichtet, oder wenn sie
nach den Bahrdtischen modernisiert, das ist lächerlich und stinkend
gemacht wird, was wird alsdenn aus der Christenheit werden? ein Sodom und
Gomorra."
[ Johann Melchior Goeze,
1717-1786, war Hauptpastor in St. Katharinen in Hamburg. Er war Vertreter
des orthodoxen Christentums und berühmt für seine Polemik]
[Quelle: Johann Melchior Goeze:
Freywillige Beyträge zu den Hamburgischen Nachrichten a. d. Reiche
der Gelehrsamkeit; 7. April 1775
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