Parabeln | Fabeln
Heimkehr
| Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten
und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in
der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt
den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes
Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin
angekommen. Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der
Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen
wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß
es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht
Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten
beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was
kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters,
des alten Landwirts Sohn. Und ich wage nicht, an der Küchentür
zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich
stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könn-te.
Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten
Uhrenschlag höre ich und glaube ihn vielleicht nur zu hören,
herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht,
ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger
man vor der Tür zö-gert, desto fremder wird man. Wie wäre
es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte.
Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will.
[Vergleiche auch: „Rondo“ v. Jürg Amann in: Erzählungen seit 1960 aus der Bundesrepublik. Reclam 7977, S. 310 ff.
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Intervall 30 Minuten |