Die neuen Leiden des jungen W.
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Inhaltsübersicht
/ Entstehung
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Der
neunzehnjährige Lehrling in einer DDR – Kleinstadt, Edgar
Wibeau, Sohn einer leitenden Angestellten seines Lehrkombinats
und dadurch schon zum Musterknaben gezwungen, bricht seinem Ausbilder bei
einem Streit dadurch den Zeh, dass er ihm eine schwere Eisenplatte auf
den Fuß fallen lässt. Bisher war er ein hervorragender Lehrling
und sehr guter Schüler, sozusagen ein angepasster Streber. Er bricht
aus seinem bestehenden Leben aus, verlässt sein Zuhause bei seiner
Mutter (der Vater lebt allein in Berlin) und geht mit seinem Freund Willi
nach Berlin, um sich an der Kunsthochschule zu bewerben. Nachdem sie dort
abgelehnt werden, bleibt er im Gegensatz zu Willi in Berlin und findet
in einer abbruchreifen Laube Unterschlupf, die abgerissen werden soll.
Zufällig entdeckt er auf der Toilette ein altes Exemplar von Goethes
Brief - Roman „Die Leiden des jungen Werthers",
dessen Umschlagseite zwar fehlt, den er aber mit wachsendem Interesse in
einem Zug durchliest. Durch Zitate aus diesem Roman, die seine eigene Situation
spiegeln und die er auf Tonband spricht, hält er Kontakt zu seinem
Freund Willi.
Auf dem Nachbargrundstück neben der Laube lernt er die 20-jährige
Kindergärtnerin Charlie kennen,
verliebt sich in sie und teilt Willi die Begegnung sowie die dadurch ausgelösten
Gefühle durch passende Zitate aus Goethes "Werther" mit. Charlie hegt
offensichtlich ebenfalls große Sympathien für Edgar, fällt
aber nie auf seine „Verkanntes - Genie - Masche" herein und ist stärker
mit dem bürgerlichen Leben verbunden als Edgar, obwohl sie ihn auch
gerade für seine unkonventionelle Art mag.
Nach einer gewissen Zeit kehrt Charlies Verlobter vom Wehrdienst zurück,
die beiden heiraten und ziehen in einen anderen Stadtteil. Der Kontakt
bricht zunächst ab.
Um neue soziale Kontakte zu knüpfen und sich ein wenig Geld zu
verdienen, beginnt er bei einer Malerkolonne zu arbeiten, die mit der Entwicklung
eines nebellosen Farbspritzgerätes (NFG) beschäftigt ist. Aufgrund
ständiger Provokationen des Vorarbeiters Addi
wird er rausgeschmissen und beschließt, sein eigenes NFG zu entwickeln.
Obwohl er auf Zarembas (eines Kumpels
aus der Brigade) Wirken hin wieder in die Kolonne zurückgeholt wird,
arbeitet Edgar weiter an dem Gerät.
Als er Charlie noch einmal besuchen fährt, machen sie bei heftigem
Regenunwetter eine Bootsfahrt, während der es auf einer verlassenen
Insel auch zu engen körperlichen Kontakten kommt (die aber nur angedeutet
werden). Charlie kehrt unmittelbar danach wieder zu ihrem Mann zurück,
während Edgar allein mit dem Boot zurückfahren muss.
Edgar ist zutiefst enttäuscht und gedemütigt und beginnt
Werthers Motive für Selbstmord zu verstehen. Dennoch schließt
er für sich selbst Suizid kategorisch aus. Stattdessen konzentriert
er sich auf die Entwicklung seines NFGs.
Beim ersten Test erliegt er einem 380V Stromschlag. Bei der Farbexplosion
wird die Laube verwüstet und seine Bilder werden unbrauchbar. Er wird
am nächsten Tag von seinen Arbeitskollegen gefunden, die ihn suchen
kommen, da er bereits zwei Tage unentschuldigt fehlt.
Die Geschichte wird auf mehreren Handlungs- und Zeitebenen erzählt:
Sie beginnt mit der Nachricht von seinem Tod, dessen Vorgeschichte der
Vater Edgars durch Recherchen bei Willi, Charlie und der Brigade aufklären
will.
Der tote Edgar tritt von Zeit zu Zeit auf und kommentiert aus seiner
Sicht das Geschehen auf den verschiedenen Handlungsebenen. |
Hintergründe:
Der Roman ist zu einer Zeit der kulturpolitischen Entspannung (Ende
der 60ziger Anfang der 70ziger Jahre) in der damaligen DDR entstanden.
Es wird die Situation eines Jugendlichen geschildert, der aus dem bestehenden
System ausbricht und seine eigene Freiheit genießen will. Der Grundgedanke
für den Roman entstand 1968 aus einem intensiven Studium von Goethes
„Werther", einem Zeitungsartikel und wahrscheinlich
den eigenen Erfahrungen von Plenzdorf (er brach auch eine Lehre ab).
Plenzdorf hatte die „Neuen Leiden" ursprünglich als Skript
für einen Film geschrieben. Da der Film zunächst nicht produziert
wurde, arbeitete er den Stoff zu einem Theaterstück um (Uraufführung
in Halle 1972). Später entstand dann eine Prosafassung.
Ein Fernsehspiel wurde 1976 von der ARD produziert.
Neue_Leiden_Inhalt_Entst.doc
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©
H. Kerber 1991 / 2002 / 2004
Seit ### |