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Fachbereich Deutsch
Prosa

Anna Seghers
Das siebte Kreuz

Anna Seghers:Das siebte Kreuz
 Die Helfer
Anhand zahlreicher Personen spürt Anna Seghers den verschiedenen Umständen, unter denen Hilfe geleistet, und den unterschiedlichen Motiven und Bewusstseinsformen nach, derentwegen diese Hilfe gewährt wird. Es lassen sich mehrere Gruppen unterscheiden:
1. Zunächst diejenigen, die aus unpolitischer Souveränität handeln (z.B. Frau Marelli, Schäfer Ernst) und die sich in ihren Aktionen von allgemeinen humanen Prinzipien leiten lassen (Ehrlichkeit, Familiensinn, Mutterliebe, Hilfsbereitschaft), die sie selbst in lebensgefährliche Situationen nicht verraten (z.B. Mettenheimer).
2. Dann die Gruppe, die sich mit den Verhältnissen bewusst arrangiert hat und sich in der Begegnung mit einem der Flüchtlinge der Lügenhaftigkeit ihres bisherigen Lebens bewusst wird (z.B. Paul Röder)
3. Die dritte Gruppe bilden diejenigen, die einst mit der Arbeiterbewegung sympathisierten oder Mitglieder der kommunistischen Partei waren und während der Naziherrschaft resigniert den Rückzug in ein unpolitisches Leben angetreten haben. Erst durch die Flucht lernen sie, ihre Resignation und die Furcht vor Repressalien zu überwinden (z.B. Dr. Kreß, Franz Marnet).
4. Die letzte Gruppe umfasst Personen, die in den illegalen Widerstand abgetaucht sind und nun Entscheidendes zum Gelingen der Flucht Georgs beitragen.

Anna Seghers zieht keine der Gruppen einer anderen vor. Was die Menschen für Georg leisten, ist ausnahmslos wichtig. damit unterstreicht sie, dass die Flucht nur gelingt, weil alle diese völlig verschiedenen Menschen bewusst oder unbewusst zusammenwirken. Die Suche von Anna Seghers danach, „welche moralischen Kräfte in den Menschen noch vorhanden sind“, fällt anders aus, als es die LeserInnen damals erwartet hatten. Das in der Gestaltung der Helfer sichtbar werdende antifaschistische Potenzial unterstreicht den verhaltenen Optimismus, der den ganzen Roman durchzieht.
Das Gelingen der Flucht ist das Werk eines Kollektives, nicht das Verdienst der besonderen Fähigkeiten eines Individuums, das sich im Vergleich mit den gescheiterten Flüchtlingen als Held erweist. Viele Komponenten seiner Gestaltung (Verhaltensweisen, Charaktereigenschaften) weisen darauf hin, dass Georg von Anna Seghers als Anti-Held konzipiert ist.
 

© H. Kerber 1998 / 2004 / 2006
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