Kurt Tucholsky
Panter, Tiger
& Co
| Der bewachte Kriegsschauplatz
Im nächsten letzten Krieg wird das ja anders sein... Aber der vorige Kriegsschauplatz war polizeilich abgesperrt, das vergisst man so häufig. Nämlich: Hinter dem Gewirr der Ackergräben, in denen die Arbeiter und Angestellten
sich abschossen, während ihre Chefs daran gut verdienten, stand und
ritt
"Von welchem Truppenteil sind Sie?" fragte der Gendarm, wenn er auf einen einzelnen Soldaten stieß, der versprengt war. "Sie" sagte er. Sonst war der Soldat "Du" und in der Menge "Ihr" - hier aber verwandelte er sich plötzlich in ein steuerzahlendes Subjekt, das der bürgerlichen Obrigkeit Untertan war. Der Feldgendarm wachte darüber, dass vorn richtig gestorben wurde. Für viele war das gar nicht nötig. Die Hammel trappelten mit der Herde mit, meist wussten sie gar keine Wege und Möglichkeiten, um nach hinten zu kommen, und was hätten sie da auch tun sollen! Sie wären ja doch geklappt worden, und dann: Untersuchungshaft, Kriegsgericht, Zuchthaus, oder, das schlimmste von allem: Strafkompanie. In diesen deutschen Strafkompanien sind Grausamkeiten vorgekommen, deren Schilderung, spielten sie in der französischen Fremdenlegion, gut und gern einen ganzen Verlag ernähren könnten. Manche Nationen jagten ihre Zwangsabonnenten auch mit den Maschinengewehren in die Maschinengewehre. So kämpften sie. Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war
der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt
ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten
sind Mörder.
Die Gendarmen aller Länder hätten und haben Deserteure niedergeschossen.
Sie mordeten also, weil einer sich weigerte, weiterhin zu morden. Und sperrten
den Kriegsschauplatz ab, denn Ordnung muß sein, Ruhe, Ordnung und
die Zivilisation der christlichen Staaten.
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