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Fachbereich Deutsch
Prosa

Kurt Tucholky
Was darf Satire
 

Kurt Tucholsky: Was darf Satir?
(I. W. Berliner Tageblatt 1919)
- Unfähigkeit Deutschlands zum politischen Witz;
- Schein – Bestand: Satire als negative Sache: Position gegen alles 
  Stockende und Träge (Objekt – Bezug, hinsichtlich des dargestellten 
  Gegenstandes);
  =>> Verbhäufung;
- Ist – Bestand: Satire als positive Sache: Entlarvung des Verfassers 
   als Chrakterlosen oder Hanswurst;
Titelbild des Simplicissimus. 
Olaf Gulbransson entwarf 
zahlreiche Titelbilder für die 
politisch-satirische Wochenzeit-
schrift „Simplicissimus“. Diese 
Karikatur trägt die Überschrift 
„Russischer Frühling“ und die 
Bildunterschrift „Der Friedensfürst: 
‘Jetzt habe ich Frieden mit meinem 
Volk.‘“ Der Simplicissimus übte 
zur Kaiserzeit und zur Zeit der 
Weimarer Republik scharfe Kritik 
an Gesellschaft und Politik.
- Charaktervoller Satiriker: ein um des guten willen gegen das Schlechte 
   kämpfender Idealist;
   [Diskussionsgegenstand: hoher Moral- und Wirkungsanspruch des 
   Satirikers; psychologisches Risiko der Resignation bei ausbleibender 
   Wirkung: „Erfolg, aber keinerlei Wirkung.“]
- Fehler der deutschen Satire – Rezipienten: Verwechslung von Autor 
   und dargestellter Sache;
   * Exempel satirischer Methode: Geißelung der Trunksucht;
   * Harmlosigkeit, Provinzialisierung (Krähwinkel ) der deutschen Satire 
      (Ausnahme:   "Simplicissimus“ ;
   * Methode der Satire: Übertreibung, Überspitzung, Überzeichnung 
      [Problematik: fließende Grenzen von Überzeichnung zu Trivialisierung 
      oder Verzeichnung// Aktualisierung: Gegenwartssatire zwischen 
     Dieter Hildebrandt, Comedy à la Ingo Appelt und Christopf 
     Schlingensief];
   * Begründung für die Harmlosigkeit deutscher Satiriker: Angst vor den 
     „Korporationen“, dem dicken „Kraken“;
   * Französische Satire als Kontrast zur deutschen: 
      ==>> Emotionale Erregung – trockener Verstand 
- Appell zur intellektuellen Großmut dem Satiriker gegenüber;
   * Eiertanz des deutschen Satirikers zwischen Berufsständen, Klassen, Religionen, Korporationen;
   * Wirkung der Satire;
- Antwort auf die Titelfrage: „Was darf Satire?“: „Alles.“
Kurt Tucholsky: „Satire hat eine Grenze nach oben: Buddha entzieht sich ihr. Satire hat auch eine Grenze nach unten. In Deutschland etwa die herrschenden faschistischen Mächte. Es lohnt sich nicht – so tief kann man nicht schießen.“
[Peter Panter in Schnipsel (Weltbühne 08.03.1932)]
Was_darf_Satire.doc
1) Krähwinkel <n.; - od. -s; unz.; fig.; umg.> spießbürgerliche Kleinstadt [Ortsname in verschiedenen Teilen Deutschlands <ahd. chrawinchil „abgelegene Einzelsiedlung, wo Krähen nisten“; seit Kotzebue diesen Namen in seinem Lustspiel „Die deutschen Kleinstädter“ (1803) verwendete Sinnbild für kleinstädtische Beschränktheit]
2) Simplicissimus: Titel einer politisch-satirischen Wochenzeitschrift, die 1896 von Albert Langen und Thomas Theodor Heine in München gegründet wurde. 
Zu ihren wichtigsten Mitarbeitern zählten Schriftsteller wie Ludwig Thoma oder Frank Wedekind oder die Zeichner Olaf Gulbransson, Karl Arnold und Eduard Thöny und 1913 – 1915 Kurt Tucholsky. 
In der Kaiserzeit und während der Weimarer Republik war die Zeitschrift mit ihren scharfen Karikaturen eines der wichtigsten gesellschaftskritischen Organe. Während des Nationalsozialismus wurde ihre Arbeit zunehmend erschwert, bis sie 1944 ihr Erscheinen ganz einstellen musste. Zwischen 1954 und 1967 erschien sie wieder, konnte aber nicht mehr an ihre frühere Qualität und ihre früheren Erfolge anknüpfen.
© H. Kerber 2004
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