- Unfähigkeit Deutschlands zum politischen Witz;
- Schein – Bestand: Satire als negative Sache: Position gegen alles
Stockende und Träge (Objekt – Bezug, hinsichtlich des dargestellten
Gegenstandes);
=>> Verbhäufung;
- Ist – Bestand: Satire als positive Sache: Entlarvung des Verfassers
als Chrakterlosen oder Hanswurst; |
Titelbild des Simplicissimus.
Olaf Gulbransson entwarf
zahlreiche Titelbilder für die
politisch-satirische Wochenzeit-
schrift „Simplicissimus“. Diese
Karikatur trägt die Überschrift
„Russischer Frühling“ und die
Bildunterschrift „Der Friedensfürst:
‘Jetzt habe ich Frieden mit meinem
Volk.‘“ Der Simplicissimus übte
zur Kaiserzeit und zur Zeit der
Weimarer Republik scharfe Kritik
an Gesellschaft und Politik. |
- Charaktervoller Satiriker: ein um des guten willen gegen das Schlechte
kämpfender Idealist;
[Diskussionsgegenstand: hoher Moral- und Wirkungsanspruch
des
Satirikers; psychologisches Risiko der Resignation bei
ausbleibender
Wirkung: „Erfolg, aber keinerlei Wirkung.“]
- Fehler der deutschen Satire – Rezipienten: Verwechslung von Autor
und dargestellter Sache;
* Exempel satirischer Methode: Geißelung der Trunksucht;
* Harmlosigkeit, Provinzialisierung (Krähwinkel
) der deutschen Satire
(Ausnahme: "Simplicissimus“
;
* Methode der Satire: Übertreibung, Überspitzung,
Überzeichnung
[Problematik: fließende Grenzen
von Überzeichnung zu Trivialisierung
oder Verzeichnung// Aktualisierung:
Gegenwartssatire zwischen
Dieter Hildebrandt, Comedy à la Ingo Appelt
und Christopf
Schlingensief];
* Begründung für die Harmlosigkeit deutscher
Satiriker: Angst vor den
„Korporationen“, dem dicken „Kraken“;
* Französische Satire als Kontrast zur deutschen:
==>> Emotionale Erregung – trockener
Verstand |
|
- Appell zur intellektuellen Großmut dem Satiriker
gegenüber;
* Eiertanz des deutschen Satirikers zwischen Berufsständen,
Klassen, Religionen, Korporationen;
* Wirkung der Satire;
- Antwort auf die Titelfrage: „Was darf Satire?“: „Alles.“ |
Kurt Tucholsky: „Satire
hat eine Grenze nach oben: Buddha entzieht sich ihr. Satire hat auch eine
Grenze nach unten. In Deutschland etwa die herrschenden faschistischen
Mächte. Es lohnt sich nicht – so tief kann man nicht schießen.“
[Peter Panter in Schnipsel (Weltbühne 08.03.1932)]
Was_darf_Satire.doc
|
1) Krähwinkel
<n.; - od. -s; unz.; fig.; umg.> spießbürgerliche Kleinstadt
[Ortsname in verschiedenen Teilen Deutschlands <ahd.
chrawinchil „abgelegene Einzelsiedlung, wo Krähen nisten“; seit Kotzebue
diesen Namen in seinem Lustspiel „Die deutschen Kleinstädter“ (1803)
verwendete Sinnbild für kleinstädtische Beschränktheit]
2) Simplicissimus:
Titel einer politisch-satirischen Wochenzeitschrift, die 1896 von Albert
Langen und Thomas Theodor Heine in München gegründet wurde.
Zu ihren wichtigsten Mitarbeitern zählten Schriftsteller wie Ludwig
Thoma oder Frank Wedekind oder die Zeichner Olaf Gulbransson, Karl Arnold
und Eduard Thöny und 1913 – 1915 Kurt Tucholsky.
In der Kaiserzeit und während der Weimarer Republik war die Zeitschrift
mit ihren scharfen Karikaturen eines der wichtigsten gesellschaftskritischen
Organe. Während des Nationalsozialismus wurde ihre Arbeit zunehmend
erschwert, bis sie 1944 ihr Erscheinen ganz einstellen musste. Zwischen
1954 und 1967 erschien sie wieder, konnte aber nicht mehr an ihre frühere
Qualität und ihre früheren Erfolge anknüpfen. |