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Fachbereich Deutsch
Prosa

Kurt Tucholky
Panter, Tiger & Co
 

Tucholsky 1931
Das lyrische Werk von Kurt Tucholsky

Unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte Kurt Tucholsky in Tageszeitungen, Illustrierten, Wochenblättern, Satirezeitschriften, Anthologien und Büchern zwischen 1911 und 1932 über achthundert Gedichte; mehr als sechshundert davon zeichnete Theobald Tiger, etwa siebzig nannten Kaspar Hauser als Verfasser, unter drei Dutzend stand Kurt Tucholsky. Die »5PS« (Pseudonyme: » Theobald Tiger. Ignaz Wrobel. Peter Panter. Kapar Hauser und ick«) liebten und hassten gemeinsam, nur mit anderem Temperament und anderen künstlerischen Mitteln.
Eher scherzend als programmatisch schrieb Theobald Tiger, der »Lyriker« unter den Fünfen, handschriftlich in die Vorzugsausgabe seiner Frommen Gesänge (1919): 
„Ich gucke freundlich um die Oecke
und greife voller Seelenruh
der Muse unter ihre Röcke ... 
Und dabei, Leser, siehst du zu –?

Sie quietscht. Ich grinse. Sie verstehen:
Nicht immer gilt der Klassik Maß.
Denn was wir im Verborgnen drehen
macht uns am allermeisten Spaß –!“ 

Der »Klassik Maß« galt besonders wenig für Tucholskys freche Chansons, die er oft im Auftrag von Berliner Revuetheatern und Kabaretts verfasste. Dabei bediente er sich  meist schlichter, liedhafter Strophen mit einfachen Kreuz- oder Paarreimen und schnurriger Refrains. Einige seiner »Sonx« richteten sich vorwiegend ans Kabarettpublikum, nicht an Leser. Oft zielten die Verse auf eine Pointe, mal kess, mal grüblerisch. So schildert Danach Liebeslust und Eheglück; Tucholskys lyrisches Resümee: 
„Die Ehe war zum jrößten Teile
vabrühte Milch un Langeweile
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt“. 

Bezeichnend für Kurt Tucholsky ist stilistisch der miljö-schaffende Gebrauch von Mundart und Soziolekt, thematisch sind gewisse Zweifel an der Dauerhaftigkeit von Glücksgefühlen nicht zu überhören. Ob Theobald Tiger oder Kaspar Hauser, manche seiner Verse wirkten schnoddrig, andere sentimental, keiner war jedoch verletzend, keiner rührselig. Zu den schönsten Stimmungsbildern und lyrischen Nachdenklichkeiten Tucholskys gehört, neben Es ist, sein Park Monceau
„Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen.
Hier bin ich Mensch – und nicht nur Zivilist. 
Hier darf ich links gehen. Unter grünen Bäumen
Sagt keine Tafel, was verboten ist.“

Krause Wunschwelten des Bürgers konstruierte Kurt Tucholsky geistreich, frech und witzig in Das Ideal: vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße, Zugspitze und Großstadtflair. Mit seinem augenzwinkernden Spott wandte er sich an die groß- und kleinbürgerliche Leserschaft der Berliner Illustrierten Zeitung. Berlins Arbeiterschaft suchte Tucholsky hingegen mit politischen Gedichten in der Arbeiter Illustrierten Zeitung anzusprechen. Kompromisse schloss Tucholsky lediglich in Hinblick auf sein jeweiliges Publikum, niemals in Bezug auf zensurgefährdete Inhalte oder die Tendenz eines Gedichts, etwa seines Liedes vom Kompromiss, in dem er die deutsche Sozialdemokratie mit einem Radieschen vergleicht: außen rot, innen weiß und stets zu einem faulen Kompromiss bereit. In der Arbeiter Illustrierten Zeitung veröffentlichte er seit 1928 Tendenzkunst, Dichtung im Dienste politischer Aufklärung und Veränderung. Theobald Tigers lyrische Prankenhiebe galten sozialer Ungerechtigkeit (Saisonarbeiter), der Klassenjusitz (Das Gesetz), deutschem Nationalismus und Militarismus (Auf die Mensur), der engen Spießbürgerlichkeit (Immer raus mit Mutter ...!), einer irregeleiteten Demokratie (Zehn Jahre deutsche Republik) und der immer bedrohlicheren Gefahr von rechts (Deutschland erwache!). 

[Bearbeitet nach Kindlers Literatur – Lexikon]


 

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