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Fachbereich Deutsch
Sprachreflexion
Victor Klemperer
LTI:
Die Sprache des Dritten Reiches
[Nutzungshinweis]

[Kapitel und Behandlungsaspekte]
...

Kapitel  Behandlungsaspekte
I. LTI 
  • Sprache als Offenlegung des Wesens
  • Einheitlichkeit und Armut der LTI in allen Lebensbereichen: Prunkbauten, Uniformen, Fahnen, Hitlergruß, Aufmärsche, Autobahnen ... ( „[...] alles schwamm in derselben braunen Soße“ S. 20)
  • Sprachkritik als „Balancierstange“ (20)
III. Grundeigen-
schaft: Armut
  • Überwachung der „Reinheit“ der NS - Ideologie bis zur „uniformierten Sklaverei“ und „durchorganisierten Tyrannei (32)
  • Richtlinien durch Reichspressekonferenzen: Sprachherrschaft einer winzi-gen Gruppe über alle Medien

  • => Sprachnormierung in Richtung Agitation, Aufpeitschung, Suggestion, Fanatismus
VI. Die ersten drei 
Wörter nazistisch
  • Strafexpedition

  • => Polizeiaktion
    => Konzentrationslager
  • Staatsakt: jede Bagatelle wird zum historischen Ereignis
  • Aufziehen: Reichsparteitage, Staatsakte mit Banner, Aufmärschen, Gir-landen, Fanfaren (s. auch ganzes Kap. VII.)
VIII. Zehn Jahre 
Faschismus
  • Hitler als rhetorischer Verführer (Aufpeitscher, Anpeitscher, Aufhetzer, Sprücheklopfer, Umnebler, Rhetor (im Gegensatz zum Orator [Klarheit, Überzeugungskraft, Herz und Verstand ansprechend)
IX. Fanatisch
  • Aufklärung: im pejorativen Sinne gebraucht als zum Rationalismus ge-genläufig
  • Semantisch zwischen Krankheit (rel. Wahn) und Verbrechen
  • In der LTI ein superlativisch anerkennendes Adjektiv in Alltag, Politik und zuletzt sogar in der Militärsprache
XIII. ; XIX. Namen
  • Favorisierung germanischer Vornamen
  • Verschweigen jüdischer Wissenschaftler mit jüdischen Namen (Einstein, Hertz)
  • Zwang zu jüdischen Vornamen als Absonderung und Diffamierung
  • Eindeutschung wendischer, slawischer ... Orts- und Straßennamen in den Ostgebieten
XVII. System und 
Organisation
  • Umbenennungen

  • * System (= durch Anordnung des Verstandes erstellt (Bei NS = Weima-rer Republik) wird zu Organisation (Organ, Parteiorgan, Dachorganisation, organisch, organisieren (128)
  • Philosophie wird zu Weltanschauung (s. A. Rosenberg: Mythos des zwan-zigsten Jahrhunderts)
XVIII. Ich glaube 
an ihn
  • Relig. Epitheta (v.a. „heilig“, 146, „heiliger Krieg“, 327)
  • Relig. Zeichensysteme: Hakenkreuz, Verkürzungen (117f.), Weihen (47), Blutzeugen, 
  • Märtyrerverehrung, gestorbene Anhänger als Schutzheilige (Kap. XXXII.)
  • Relig. Ekstatischer Rededuktus (143)
  • Übernahme, Allusionen an Jesus - Worte (337), an neutestamentliche Wendungen (145 u .a.), v. a. „Reich“ (147f.)
  • Selbstdeutung Hitlers als „Arm der Vorsehung“, als „Auserwählter“ (142)
  • Vergöttlichung, Transzendierung Hitlers durch die Anhänger - Gläubigen (ganzes Kapitel), Führerkult, Hitler als Heiland (3, 158, 156)
XIX Familien-
anzeigen ... 
  • Geburt: stolz, sonnig
  • Tod: in stolzer Trauer, im Glauben an ihn, für Führer und Vaterland
XXI. Die deut-
sche Wurzel
  • Die Wurzel der nazistischen Maßlosigkeit, Entgrenzung, Grenzenlosigkeit in der deutschen idealistischen Philosophie, im Faustischen der klassi-schen Dichtung, in der deutschen Romantik
  • Basierung des Judenhasses auf dem Rassegedanken

  • * Gobineau (1816 - 1882): „Essai sur l’inégalité des races humaines (1853 - 1855)
    * Houston Stewart Chamberlain
    * Zuspitzung in A. Rosenbergs „Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts“
XXIII. Wenn 
zwei dasselbe tun
  • Versachlichung, Entpersönlichung, Mechanisierung, Übergreifen techni-scher Wendungen auf den nicht technischen Bereich

  • * Menschen als „Menschenmaterial“, „Kanonenfutter“, „Stücke“ (190)
    * Verb-Beispiele: verankern, ankurbeln, einstellen, gleichschalten, hoch laufen, aufziehen, anlaufen lassen
XXV. Der Stern
  • Judenstern als Stigma (Orden pour le sémite)
  • Äußere Ghettoisierung => innere Ghettoisierung
  • Hierarchisierung innerhalb der Juden: Privilegierte, Mischlinge, Halbjuden, Volljuden ...
XXVI. Der jü-
dische Krieg
  • „Jude“, „jüdisch“ als Diskriminierungsbegriff
  • Begegnung Hitlers mit dem rassistischen Antisemitismus in Wien („Wiener Lehr- und Leidensjahre“ [s. auch Arthur Schnitzler in Wien, s. Einwan-derung galizischer Juden, Anteil der Juden an der Wiener Bevölkerung]) und mit dem beginnenden Zionismus
  • „Jude“ als Sammelbecken alles Fremden und Feindlichen, als Sündenbock
  • Semantisierung (s. 3.2: Antisemitismus und sprachliche Abwertung (LTI, S. 220ff; die verschiedenen Stationen)
  • Beispiele:

  • * Substantive: Jude (als jüdische Rasse), Weltjudentum, internationales Judentum, Judengottesdienst, Judenhäuser, Judenhure (= arische Frau in Mischehe), jüdischer krummnasiger Intellektualismus, Judenknecht, parasitäre jüdische Rasse, Weltjudenschaft, jüdischer Krieg
    * Adjektive: plattfüßig, krummnasig, wasserscheu, parasitär, nomadisch, gerissen, listig, betrügerisch
XXX: Der Fluch des 
Superlativs
  • Arten:

  • 1) Superlativformen von Adjektiven
    2) Einzelausdrücke mit superlativischem Wert
    3) Superlativische Satzgebilde
  • Beispiele: unvorstellbar, zahllos, total, hundertprozentig, ewig, einmalig, historisch, groß mit Zusammensetzungen (Großkundgebung, Großoffensi-ve,) bodenlos, unvergänglich ...
XXXI. Der Zug 
der Bewegung 
  • Bewegung, Aktivität, Dynamik als Kern, als Eigenart des Nazismus
  • Beispiele: Bewegung, Aufbruch, Gesetz des Handelns, Sturm, Sturmabteilung, Volkssturm, Landsturm, Blitzkrieg
  • Verschleierungen: beweglicher Verteidigungskrieg (= Stellungskampf), Rückschlag (= Niederlage), sich vom Feind absetzen (= fliehen), Front-verkürzung (= Rückzug), Engpass (= Notlage), Krise (= Niederlage)
XXXIII. 
Gefolgschaft
  • Emotionalisierung, Verzerrung durch sentimentale Vernebelung
  • Beispiele: Rechtswahrer statt Rechtsanwalt, Amtswalter statt Beamter, Amtswaltung statt Verwaltung
  • Verherrlichung des Erdgebundenen (Bauern, Landbevölkerung gegenüber dem „Asphalt“): Treck, heim ins Reich, Blut und Boden(s. Heinrich Böll), Brauchtum, Werwölfe (=> Demaskierung)
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