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Die Feldpostbriefe (stark gekürzt) umfassen den Zeitraum
von 1941 bis ins Jahr 1944 hinein. Sie stammen von unterschiedlichen Schreibern
aus dem Krieg im Osten und spiegeln Ansichten und Überzeugungen wider,
wie sie bei der kämpfenden Truppe vorkamen. Sie wandeln sich mit dem
Verlauf der Kriegshandlungen. Die Hoffnungen auf den Endsieg und der Umgang
mit den unterworfenen Völkern, vor allem den Juden, sind die Hauptthemen.
Sie ist nicht geeignet, ein differenziertes Bild der Einstellungen in der
deutschen Wehrmacht zu geben. Aber sie kann zeigen, was viele Landser erlebten,
wie sie es verarbeiteten, was sie wussten und woran sie beteiligt waren.
Es sind schreckliche, aber für die Zeit typische (gedankliche und
sprachliche) Stereotypen, die hier wiedergegeben werden
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1.8.1940, Donnerstag Gefr. A. M.
Ein Jude ist seit Menschengedenken immer Unglück auf Europas Boden
gewesen. Es ist geschichtlich dokumentarisch festgestellt, dass sich seit
dem ersten Eindringen der Juden und seiner Religion in Europa Europas Völker
bekriegen. Es ist ihnen gelungen, den Weltfrieden zu zerstören, und
- heute, erst 2000 Jahre danach, entsteht die wirkliche Gegenaktion, die
Europa wieder zu Europa und Deutschland wieder zum Reiche aller Deutschen
germanischen Ursprungs macht. Mögen sie, nämlich die Juden, die
diese als ihre Vorfahren priesen, einen anderen Erdteil mit ihrem Besuch
beehren. In Europa ist es aus, Asien steht ihnen offen, denn da ist ja
ihre eigentliche Heimat, da gibt’s nichts mehr zu ergaunern, bleibt also
noch Afrika, Australien und Amerika: Afrika wird ihnen zu »barbarisch
«, Australien zu klein sein, wäre also nur noch Amerika übrig.
Wenn sie tatsächlich den Weg dahin wählen, können wir
uns, und mit uns alle Europäer glücklich preisen, sie so weit
vom Halse zu haben. In Amerika dagegen wird man auch bald erkannt haben,
was für ein Segen ihnen mit diesem Volk ins Land kommt. Vielleicht
dauert’s abermals 2000 Jahre, vielleicht weniger, wahrscheinlich aber mehr.
Auf jeden Fall können sie da drüben in Amerika Politik betreiben
so viel sie wollen, den Frieden Europas werden sie nie mehr stören.
Dafür wird die Idee, von einem Führer in die Welt gerufen, schon
weitgehend Sorge tragen; sein Volk hat diese Idee erkannt, geht mit dieser
Idee, andere schlossen - und schließen sich ihr noch an. Es ist diese
Idee, die Verwirklichung des Gedankens Europas Frieden zu sichern für
alle Zeiten. Dieser Gedanke kann nicht eher zur Tat werden, ehe ein England
aus Europas Karte als Macht gestrichen ist, seine Kulissenmänner (die
Juden) aber unschädlich gemacht sind.
27.4.1941, Sonntag Gefr. G. R.
Hier sind auch alle Juden zusammengepfercht. In den Städten hat
man ihnen sogar ein Viertel zugewiesen. Da dürfen sie überhaupt
nicht heraus. Die Ausgangsstraßen sind gesperrt für sie durch
Drahtverhau, und ein Posten steht davor. Ich möchte kein Jude sein.
Zu diesem Kapitel könnte ich Euch noch mehr schreiben.
18.6. 1941, Mittwoch Lt. P. G
Manchmal können die Juden ja einem leid tun. Hier laufen sie noch
in rauen Mengen umher. Auf den Dörfern wird dieses Pack zu Schipparbeiten
usw. herangezogen. Morgens muss die Bagage antreten und einstimmig im Chor
den Morgenspruch aufsagen: »Wir haben keine Ahnung von Deutschlands
Macht und Stärke!« Ganz ordentlich, nicht wahr? Wir werden die
Bande schon zur Zucht erziehen.
30.6.1941, Montag Uffz. H. Z
Unter Warschau habe ich mir früher was ganz anderes vorgestellt.
Es ist eine Stadt mit einem für östliche Begriffe schönen
Regierungsviertel, alte, mächtige Bauten mit dicken Säulen, aber
alles Übrige dreckig, grau und verkommen. Wir durchfahren mit Stacheldraht
abgegrenzte Seuchen- und Judenviertel, deren Zustand und Bewohner man nicht
beschreiben kann. Alle Juden sind zwar gekennzeichnet durch eine Armbinde
mit einem Zionstern, aber man würde sie auch so erkennen. Wir sahen
im Vorbeifahren einen Mann ohne sichtbaren Grund umfallen, es war wohl
der Hunger, der ihn umwarf, denn täglich verhungert eine Anzahl dieses
Gesindels. Wenige sind noch mit Vorkriegskleidern gut gekleidet, die meisten
in Säcken und Lumpen gehüllt, ein furchtbares Bild von Hunger
und Elend. Kinder und Frauen laufen uns nach und schreien .Brot, Brot..
21.8. 1941, Donnerstag Mj. C. H. B.
Warschau. Im Ghetto sind die Zustände kaum zu beschreiben. Das
kann man nur gesehen haben, um es auch wirklich glauben zu können.
Auf der Straße herrscht ein Verkehr wie zur Leipziger Messe. Hier
handelt der Jude untereinander mit lautem Geschrei auch alles auf der Straße.
An dem Morgen, als ich mit dem Wagen durchfuhr, sah ich mehrere Leichen,
darunter Kinderleichen, etwas mit Papier zugedeckt und dieses mit Steinen
beschwert. Die anderen Juden gehen achtlos daran vorüber, bis der
primitive Leichenkarren kommt und die .Überreste. abholt. Das Ghetto
ist mit Mauern, Zäunen usw. abgeschlossen. An den vielen Schlagbäumen
stehen SS-, polnische und jüdische Schutzleute und führen eine
strenge Kontrolle aus. Schmutz, Gestank und Lärm sind die Hauptzeichen
des Ghettos.
18.4.1942, Samstag K.V.-Insp. H. K.
Zu tun gibt es viel, da auch zahlreiche Zivilangestellte und Arbeiter
(Russen und Juden) zu betreuen sind. Die Juden, auch Frauen und Mädchen,
dürfen nur in Kolonnen, von litauischer Polizei begleitet, aus dem
Ghetto auf die Straße zur Arbeit gehen und werden haufenweise erschossen,
da man sie los sein will und ihnen vorwirft, mit den Partisanen der Umgebung
gemeinsame Sache zu machen.
18.7.1942, Samstag Zahlm. d.R. H. K.
In Bereza-Kartuska, wo ich Mittagsstation machte, hatte man gerade
am Tage vorher etwa 1300 Juden erschossen. Sie wurden zu einer Kuhle außerhalb
des Ortes gebracht. Männer, Frauen und Kinder mussten sich dort völlig
ausziehen und wurden durch Genickschuss erledigt. Die Kleider wurden desinfiziert
und wieder verwendet.
7.12.1942, Montag Sold. 5. M.
Hier oben sieht man so viele Strafgefangenenlager, die Bauarbeiten
und noch so verschiedenes machen. Juden kommen hier, das heißt in
Auschwitz, wöchentlich 7-8000 an, die nach kurzem den .Heldentod.
sterben. Es ist doch gut, wenn man einmal in der Welt umher kommt ...
27.6.1943, Sonntag Sold. H. R.
Ich habe schon lange den Glauben an ein gutes Ende verloren. Sollte
noch ein wenig Hoffnung sein, dann nur noch drei Monate. Dann glaubt kein
Soldat mehr an ein gutes Ende. Die Bevölkerung ist uns Deutschen nicht
gut gesinnt. Die Stadt Dünaburg ist zur Hälfte auch nur noch
ein Trümmerfeld. Hier lebten bis zu 75% Juden. Es sind zusammen 30000
Juden nicht weit von der Stadt erschossen worden. Außerdem sind an
anderen Leuten auch durch uns viele Erschießungen vollstreckt worden
über Kleinigkeiten. Der Deutsche ist einmal dadurch nirgends gern
gesehen.
27.8.1944, Sonntag Gefr. K.B.
Mami ich möchte Dir etwas schreiben, aber nicht lachen. Du weißt
doch die ganze Sache steht jetzt auf der Messerspitze. Es geht jetzt doch
um die Entscheidung und ich habe das Gefühl, als wenn das Messer abbricht.
Der Krieg geht seinem Ende entgegen, aber ich glaube nicht für uns.
Du weißt doch der Jude wird eine Blutrache nehmen, hauptsächlich
an den Parteileuten. Ich war ja leider auch einer der die Parteiuniform
getragen hat. Ich habe es ja schon bereut. Ich bitte Dich bringe die Uniform
beiseite, ganz gleich wohin und wenn Du die ganzen Sachen verbrennst. Ich
kann schon des nachts nicht mehr schlafen darum. as macht mir solche Sorgen,
das glaubst Du gar nicht. Ich komme schließlich gut hier durch, das
heißt, wenn ich noch nicht direkt an die Front komme. Auch Du in
der Frauenschaft und der Junge in der Hitlerjugend, das sind alles solche
Sachen, die ich heute ganz anders ansehe.
15.10.1944, Sonntag Uffz.H.V
Die Behandlung von Juden und Polen - jener schon vor, beider während
des Krieges - war nicht nur ein verhängnisvoller politischer Fehler,
sondern ein menschliches Unrecht, das in immer steigendem Maße das
deutsche Volksgewissen belastete.
Aus dieser Quelle stammt das tief verborgene Misstrauen, das auch der
einfache Mann mit einem Rest gesunder Vernunft unserer These vom .gerechten
Krieg. und der .heiligen Sache. entgegenbringt. .Wenn die losgelassen werden,
die haben eine Rechnung zu begleichen.. .Man hat es zu doll getrieben,
das war ja nicht mehr menschlich.. So etwa lassen sich heute Parteigenossen
hören, die vor einem oder zwei Jahren jede derartige Anwandlung weit
von sich gewiesen hätten.
Das deutsche Volk ist in dieser Hinsicht trotz einer zehnjährigen
Erziehung und aller gegenteiligen Beweise in seiner überwiegenden
Mehrzahl noch immer ein moralisch empfindendes Volk geblieben! Es hat einer
satanischen Verführungskunst und eines raffinierten Systems der Massenräusche
und der nationalen Überhitzung bedurft, um es zu dem fortzureißen,
was es getan oder geduldet hat und worin es sich im Augenblick des Unglücks
jetzt schaudernd erkennt. Das Gefühl für menschliches Recht und
Unrecht ist in seinen besten Gliedern noch immer tief verankert.
Der Deutsche ist von jeher in besonderem Maße ein Mensch des
Gewissens gewesen, vor dessen Spruch er seine Schranken fand und das ihm
zum ordnenden Maß der Wirklichkeit wurde. Wir können uns auf
Luther und manchen anderen berufen. Auch Bismarcks Politik hatte sich vor
dem Richterstuhl des eigenen und des nationalen, des religiösen und
politischen Gewissens dauernd zu verantworten. An diesem Punkt hat eine
spätere Erziehung des deutschen Volkes in der Tiefe einzusetzen.
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