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Fachbereich Deutsch
Literaturgeschichte
Klassik
 
Travestie
Abgeleitet ist der Begriff von lateinisch trans - vestire, verkleiden, englisch travesty, eigentlich „Umkleidung“, dies ist substantiviert aus französisch travesti „verkleidet“.
So bezeichnet die Travestie eine scherzhafte Verkleidung eines erhabenen Stoffes in burlesk - lächerlicher Form. Sie ist meist Verspottung eines bekannten literarischen Werkes (häufig auch mit allgemeiner gesellschafts- und zeitkritischer Tendenz) durch Wiedergabe seines Inhalts in unangemessener, grob veränderter sprachlich - stilistischer Form. 
Der komische Effekt beruht auf dem Missverhältnis von altem Inhalt und neuer Stilebene. Die Travestie ist in mancherlei Hinsicht der Parodie verwandt, besonders bei reinen Literatutravestien gibt es fließende Übergänge. 
Die Methode, das Erhabene lächerlich zu machen, führt häufig ins Triviale als Grundzug der Travestie, im Gegensatz zur Parodie, deren Ehrgeiz es ist, bei formalen Anklängen Ebenbürtig - Komisches zu schaffen.  So hat Schiller Pathos die trivialsten Travestien hervorgerufen („Die Glocke“, „Der Taucher“).
Manchmal ist es schwer zwischen Travestien und Parodien zu unterscheiden, wenn es sich um Parodien mit traviestierendem Chrakter handelt: J. NestroysJudith“ als burleskes Volksstück, Fr. Th. VischersFaust III“. 
Das bekannteste Muster hat Scarron gegeben mit seinem „Vergil travesti“ (1648), dem Furetière mit der „Eneide travestie“ (1649) folgte. 
In deutscher Sprache ist die bekannteste Travestie die des Österreichers Aloys BlumauerAbenteuer des frommen Helden Äneas“ (Wien 1784-1788) geworden. 
Friedrich von Schiller
  „Das Lied von der Glocke"
  (Auszug) 

  Und drinnen waltet 
  Die züchtige Hausfrau, 
  Die Mutter der Kinder, 
  Und herrschet weise 
  Im häuslichen Kreise, 
  Und lehret die Mädchen 
  Und wehret den Knaben, 
  Und reget ohn Ende 
  Die fleißigen Hände, 
  Und mehrt den Gewinn 
  Mit ordnendem Sinn. 
  Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden, 
  Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden, 
  Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein 
  Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein, 
  Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer, 
  Und ruhet nimmer. 
 
 

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Sita Steen
„Ein Glied von Schillers Locke" 

Und drinnen waltet die putzsüchtige Hausfrau:
Sie füttert im Stalle die hochfrüchtge Haussau,
die Mutter der Vierpfünder,
mit Futter für Viermünder,
und lebet weise
und webet leise
und lehret die Mädchen
und mehret die Lädchen
und stricket und webet
und wickelt und strebet,
Gewinne zu mehren,
der Minne zu wehren,
und müht sich ohn Ende, mit Fleiße zu sticken,
die Strümpfe zu stopfen, die Steiße zu flicken,
und füllet mit Schätzen und hehren Laken
die Schreine, die Truhen, die leeren Haken
und spinnet zum Faden die schimmernde Wolle
und findet zum Spaten die wimmernde Scholle
und nutzet die Kräfte und ganze Glut
und zeigt sich im festlichen Glanze gut -
trotz scheußlichem Harm - 
mit häuslichem Charme!

© H. Kerber 1991 / 2001 / 2004
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