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Gesellschaft und Religion
Archäologische
Funde im Jemen bestätigen, dass es im Süden eine polytheistische,
tempelorientierte Religion gab, zu der von Priestern durchgeführte
Tieropfer sowie die Darbietung von Räucherwerk und Duftstoffen gehörten.
Die einzelnen Stämme verehrten diverse Götter und Göttinnen,
während die Klans und Familien zahlreiche untergeordnete
Gottheiten und Geister (djinn) anriefen. Einige der wichtigsten Götter
und Göttinnen des Südens, so vor allem Astralgottheiten wie Athar,
ähnelten den Göttern anderer nahöstlicher Religionen.
Im Hidjas verehrte Götter und Göttinnen wie Suwa,
Yauq und das Paar Isaf und
Naila wiederum sind südarabischen
Ursprungs, was angesichts der Mobilität der südlichen Stämme
kaum überrascht, die bisweilen zum integralen Bestandteil der Gesellschaft
im nordwestlichen Hidjas wurden.
Die Religion des Hidjas war ebenfalls
polytheistisch und stammesbezogen. Mehrere Gottheiten, die von einzelnen
regionalen Stämmen verehrt wurden, erwähnt der Koran, der, polytheistische
Praktiken verdammend, sie abwertend als asnam ("Götzen") bezeichnete.
Beispielsweise wird Uzza, die Göttin
des mächtigen mekkanischen Stammes der Quraisch, aus dem auch
Muhammad stammte, im Koran zusammen mit den Göttinnen Manat
und Allat in den von späteren
muslimischen Kommentatoren so genannten Satanischen Versen erwähnt
(Sure 53, 20f.).
Diese Stammesgottheiten wurden durch Steine
(Allat), Bäume (Uzza)
und auch durch Skulpturen (Hubal) repräsentiert;
einige waren auch mit einer heiligen Stätte verbunden. Eines der wichtigsten
Pilgerziele war schon damals Mekka
mit der Kaaba, die den „Schwarzen Stein“, einen als heilig verehrten
Meteoriten, sowie angeblich mehr als 300 Gottheiten beherbergte, vor allem
aber der Verehrung des Gottes Hubal diente.
Die Wurzeln des Islam
Im 7. Jahrhundert bildeten drei bedeutende
Entwicklungen den Hintergrund, vor dem sich der Islam ausformte und
verbreitete.
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Politisch wurde der Nahe Osten zunehmend
instabil, während auf der arabischen Halbinsel lokale Stämme
immer stärker unter fremden Einfluss gerieten.
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Kulturell begann die Entstehung einer
gemeinsamen Sprache die politisch entzweiten Stämme zu vereinen.
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Und schließlich hatte sich seit dem
4./5. Jahrhundert eine bemerkenswerte religiöse Vermischung
vollzogen: Formen des Henotheismus und sogar des Monotheismus
tauchten - neben dem verbreiteten Polytheismus - im Süden wie
auch im Hidjas auf, während man den Kriegergott Hubal
in Mekka stammesübergreifend
verehrte. Dieser Wandel resultierte womöglich aus einer unabhängigen
Weiterentwicklung lokaler Glaubensvorstellungen oder war durch die Nähe
anderer monotheistischer Religionen bedingt - durch die Präsenz des
Judentums im Jemen (jüdisches Königreich) und in anderen
Regionen wie etwa Jathrib sowie, in geringerem Umfang, des Christentums
in den nördlichen Staaten und Enklaven wie Najran. Die Anhänger
monotheistischer Ideen wurden als Hanifen („Gottsucher") bezeichnet
- so auch Muhammad.
H. Kerber 2001 | 2005 | 2009
Arabien2.doc
Karte aus: Atlas der Weltreligionen,
New York 1999, S. 27.
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