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Die Eroberungszüge der Mongolen

(Dschingis Khan)

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In weniger als einem Jahrhundert schufen die Mongolen das größte Reich der Weltgeschichte und unterwarfen ein Gebiet, das die heutigen Länder Mongolei, China, Korea, Afghanistan und Iran sowie Teile von Birma, Pakistan, dem Irak und der Sowjetunion umfasste. 1211 begann Dschingis Khan mit der Invasion Chinas und 1287 eroberte Kubilai Khan, Dschingis Khans Enkel, Birma.

Zur Zeit Dschingis Khans war China ein geteiltes Land. Die einheimische Sung - Dynastie herrschte nur in Südchina, seit der Norden des Landes in die Hände der Chin (Kin) gefallen war, eines Nomadenstammes, dessen Angehörige von den Chinesen als Barbaren angesehen wurden. Aus diesem Grund schritten die mächtigen Sung - Armeen nicht ein, als Dschingis Khan 1211 mit dem Angriff auf die Chin begann. Zwei Jahre brauchten die Mongolen, um die Große Mauer zu überwinden, die Nordchina schützte, und weitere drei Jahre dauerte es, bis sich die Hauptstadt der Chin, Peking, ergab (1215). Doch der Fall Pekings setzte dem Krieg kein Ende; erst nach fast zwei Jahrzehnten erbitterter Kämpfe konnten die Mongolen den Widerstand der Chin endgültig brechen.
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Im Mittleren Osten hatte sich das Reich der Seldschuken vor dem Aufstieg Dschingis Khans aufgelöst. Die Osthälfte erstarkte unter dem Schah von Choresm zu einem Staat, der so reich und mächtig war, dass der Schah glaubte, eine Auseinandersetzung mit dem starken Nachbarn riskieren zu können. Im Jahr 1218 provozierte er einen Krieg mit den Mongolen. Durch einen Blitzfeldzug, den der brillante mongolische Stratege Subotai leitete, wurde der Schah jedoch ausgeschaltet. Er floh, ohne dass es zu einer Entscheidungsschlacht gekommen war, nach Westen und starb, ständig verfolgt, auf einer Insel des Kaspischen Meeres. Dschalal ad-Din, der Sohn des Schahs, sammelte die verstreuten Armeen seines Vaters im westlichen Choresm, doch die erbarmungslose Politik der verbrannten Erde, wie sie die Mongolen im Osten des Reiches praktizierten, verurteilte jeden Widerstand zum Scheitern.

Bei Dschingis Khans Tod im Jahr 1227 hatten die unbesiegten mongolischen Heere Mittelasien unter ihrer Herrschaft. Vorderasien und Europa waren einem Angriff offen ausgesetzt. 1235 begann unter Dschingis Khans Sohn und Nachfolger Ogadaidie zweite große Phase mongolischer Eroberung.

1236 beauftragte der neue Khan seinen General Tschormagan, die Streitmacht Dschalal ad-Dins zu vernichten. Ein Jahr später, als der Sohn des letzten Choresm Schahs besiegt war, begann ein großangelegter Vorstoß in Russland und Europa. Führer des Unternehmens war Ogadais Neffe Batu, Feldherr und Stratege der erfahrene General Subotai. Den Russen gelang es nicht, einen entschlossenen Widerstand zu organisieren, und so verbreiteten die Mongolen Angst und Schrecken in allen russischen Regionen, mit Ausnahme des Nordwestens; diese Gebiet wurde verschont, weil die Schneescshmelze die Zugangswege zur Festung Nowgorod in einen unpassierbaren Sumpf verwandelt hatte. Der Fürst von Nowgorod, Alexander Newski, bot später den Mongolen die Unterwerfung an und erhielt so seinem Reich die Freiheit. Es wurde nie von einer mongolischen Armee besetzt.

Nach der Zerstörung Kiews1240 zogen Batu und Subotai mit ihrer Armee nach Westen, wo sie die osteuropäischen Truppen 1241 bei Liegnitz und Mohi besiegten. Diese Erfolge öffneten den Mongolen den Weg nach Mitteleuropa. Ihre Heere bereiteten den Einfall nach Österreich vor, als Batu Anfang 1242 die Nachricht erhielt, Ogadai sei Ende des vergangenen Jahres gestorben. Sofort zog Batu Armeen nach Südrussland zurück, um die Wahl eines neuen Khans abzuwarten. Dort errichtete er an der Wolga die Hauptstadt Sarai, von der aus in den nächsten zwei Jahrhunderten Mongolenkhane Russland regierten. Batus Armee wurde als Goldene Horde bekannt; Uneinigkeit unter den mongolischen Fürsten führte später zur Bildung einer Weißen Horde im Osten des Landes.

Ogadais ältester SohnKujuk starb, zwei Jahre nachdem er zum neuen Khan gewählt worden war. Nachfolger wurde Ogadais Neffe Möngke. Nach seiner Wahl 1251 konzentrierte sich Möngke auf die Eroberung Vorderasiens und des Sung - Reiches in Südchina. Sein Bruder Hulagu führte den Feldzug im Westen weiter, zerstörte 1257 die Bergfestungen der Assassinen (einer fanatischen mohammedanischen Sekte) und plünderte im folgenden Jahr Bagdad

Ein anderer Bruder, Kubilai,wurde Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sung. Möngke starb 1259 während eines Chinafeldzuges. Sein Tod zwang Hulagu, den Kampf vorübergehend einzustellen. Die kleine Nachhut, die er zurückließ, wurde von den ägyptischen Mamlukenstreitkräftenbesiegt, die der mongolischen Eroberung in Vorderasien damit ein Ende setzten.

Nach Möngkes Tod kam es im mongolischen Reich zum Bürgerkrieg, als Kubilai und sein Bruder Arik - Boko um die Macht kämpften. Beide waren zum Großkhan gewählt worden - Kubilai in China und Arik - Boko in der mongolischen Hauptstadt Karakorum. Kubilai gelang es jedoch, die Streitkräfte seines Bruders zu schlagen und den Titel endgültig für sich zu gewinnen.
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Kubilai teilte das mongolische Reich in vier Khanate ein. Er selber behielt die Herrschaft über China, wo er eine neue Dynastie proklamierte - die der Yüan. Das zentralasiatische Khanat wurde den Nachkommen Dschagatais, des zweiten Sohnes Dschingis Khans, unterstellt. Die Goldene und die Weiße Horde erhielten das Kiptschak - Khanat, benannt nach einem Nomadenstamm, den die Mongolen aus Südrussland vertrieben hatten. Hulagu, einer der Brüder Kubilais, bekam das Ilkhanat in Vorderasien.

Im Jahre 1279 schloss Kubilai die Eroberung Südchinas ab. Angriffe auf Japan und Java scheiterten zum Teil an den ungenügenden Vorbereitungen, in Südostasien wurden die mongolischen Truppen von den Khmer zurückgeworfen, nur in Birma waren sie siegreich. Das Ziel dieser Feldzüge war weniger die Inbesitznahme jener Länder als die Anerkennung der mongolischen Oberherrschaft durch die dortigen Herrscher.
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Die mongolische Yüan - Dynastie erwies sich als kurzlebig. Etwa 75 Jahre nach Kubilais Tod 1294 vertrieben die Chinesen die Fremdherrscher, denen es nicht gelungen war, die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des großen Reiches zu lösen.

Auch die Khane der Goldenen Horde konnten sich auf die Dauer in den eroberten Ländern nicht behaupten. Innere Streitigkeiten schwächten die Machtposition der Mongolen so stark, dass es den russischen Fürsten unter Zar lwan III. im späten 15. Jahrhundert schließlich gelang, ihre Unabhängigkeit durchzusetzen.

Bearbeitet nach: Hermann Schreiber (Hrsg.), Weltreiche 4, Braunschweig (Georg Westermann) 1981, S. 44f.

Mongolen_Zus.doc