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Verhältnis von Schiiten und Sunniten
Karte aus: Werner Trutwin u.a. , Zeit der Freude, Düsseldoft (Patmos Verlag) o. J., S. 218.
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Der gewaltsame Machtwechsel, den die Sippe der Omaijaden erzwungen hatte, spaltete den Islam. Viele Muslime waren der Meinung, Ali, der Neffe und Schwiegersohn Mohammeds, hätte eigentlich der erste aller Nachfolger des Propheten sein müssen, und das Kalifat hätte zu Recht den Nachkommen Alis zugesprochen werden sollen. So bildete sich innerhalb des Islam eine eigene Partei, die „Schia Ali“. Diese Gruppierung errang in der Grenzprovinz des Reiches, dem Irak, die Vorherrschaft. Von ihr wurde das Kalifat der Omaijaden verworfen, auch die ersten drei Kalifen wollte man nicht als rechtmäßige Nachfolger anerkennen. Im Jahr 680 wählten schiitische Muslime in Medina den jüngsten Sohn Alis, Hussain, zum Gegenkalifen. Hussain jedoch wurde noch im gleichen Jahr von dem Omaijaden - Kalifen Jasid ermordet. Das Grab Hussains in Kerbela im Irak wurde fortan für alle Schiiten ein beliebter Wallfahrtsort und Begräbnisplatz. Zahlreiche sakrale Spiele erinnern an dieses tragische Ereignis und es entstanden Legenden.

Sunna („Gewohnheit, Vorbild“) ist die orthodoxe Tradition und Lehre des Islam, zu der sich die überwiegende Mehrheit der Muslime bekennt. Sie stützt sich auf den Koran und auf die mit „Hadith“ bezeichneten Berichte über normative (Maß - gebende) Äußerungen und Handlungen des Propheten Mohammed.
Die  Sunniten sind die größte Gruppe im Islam. Der Begriff Sunna, den die Sunniten auf ihre Gruppe beziehen („Menschen der Sunna“), bedeutet vermutlich „Mitte des Weges“. Er bezieht sich demnach nicht, wie allgemein angenommen, auf Sunna, das „Vorbild“ des Propheten Mohammed, da alle islamischen Gruppen und Sekten die Sunna, neben dem Koran, als verbindliche Lehre anerkennen.
Die Lehren der Sunniten bildeten sich gegen Ende des 9. Jahrhunderts heraus, während ihre Theologie als einheitliches System im 10. Jahrhundert entwickelt wurde. Damit reagierten die Sunniten auf frühe Abspaltungsbestrebungen anderer islamischer Gruppen, wie z. B. der Charidschiten, Mutasiliten und der Schiiten. Die Betonung der Bestimmung des menschlichen Schicksals durch den Willen Gottes entstand in der Auseinandersetzung mit der Überzeugung der Mutasiliten von der absoluten Freiheit des menschlichen Willens. Innerhalb der sunnitischen Theologie haben sich vier Gesetzesschulen entwickelt: 

  • die Schafiiten, 
  • die Hanefiten, 
  • die Malikiten und 
  • die Hanbaliten.

  • Schia („Partei" [Alis]): die Anhänger der islamischen Schia, die Schiiten, anerkennen allein Ali, den Schwiegersohn des Propheten Mohammmed und vierten Kalifen, sowie dessen Nachkommen als rechtmäßige Stellvertreter Mohammeds. Der Begriff Schiiten geht also auf den arabischen Begriff Schiat Ali zurück, was soviel bedeutet wie „die Anhänger Ali (Ibn Abi) Talibs“. Er war der vierte Führer (Kalif) der islamischen Gemeinschaft (Umma), die nach Mohammeds Tod neu gegründet wurde. 
     Die Nachkommen Alis gelten als Imame, als „Führer der Gemeinde". Im Tode Hussains (Alis sohn und Nachfolger) sehen die Schiiten ein Blutopfer für die Sünden der Menschheit, eine für den Islam völlig neue Vorstellung. Es entwickelten sich so  im Islam Lehren über die Wiederkunft eines jetzt in der Verborgenheit lebenden Nachkommen Alis. Die Rückkehr des letzten Imam, der ein islamisches Friedensreich aufrichten soll, wird von ihnen erwartet. Dieser verborgene Imam wird dereinst wiederkommen, um die Erde mit Gerechtigkeit zu erfüllen. Nur die Schiiten unternehmen Wallfahrten zu den heiligen Gräbern in Kerbala.
    Die schiitischen Muslime errangen im Iran (damals Persien) die Vorherrschaft und die Schia ist seit dem Jahr 1502 Staatsreligion im Iran.
    Die Schiiten sind in verschiedene Schulrichtungen aufgespalten, die sich hinsichtlich der Anerkennung 

  • von fünf: Zaiditen (nach Zaid Ibn Ali, ihrem fünften Imam), 
  • sieben: Siebenerschiiten oder Ismaeliten 
  • oder zwölf Zwölferschiiten oder Imamiten rechtmäßigen Imamen unterscheiden.

  • Die Schia heute:
    Schiiten repräsentieren rund 10% aller Muslime und sind im Mittleren Osten und in Teilen Zentralasiens besonders stark konzentriert. Manche Gruppen werden von den westlichen Medien mit lokalen Konflikten in Zusammenhang gebracht; so 
  • die Drusen mit dem libanesischen Bürgerkrieg
  • die schiitischen Mudjaheddin mit dem Konflikt in Afghanistan
  • die Aseris mit den Kämpfen in Berg - Karabach gegen die christlichen Armenier und 
  • die Schiiten im südlichen Irak mit dem Aufstand gegen Saddam Hussein

  • Das bei weitem bekannteste politische und soziale Ereignis war jedoch die islamische Revolution vom Februar 1979 im Iran unter der Führung des Schiiten Ayatollah Khomeini (1902 - 1989)
    (s. auch die Grafik: Schia_Sunna_Richtungen.doc)

    Die verschiedenen Glaubensrichtungen der Schiiten (Grafik)
    Die Geschichte der Schia

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