Jan Hus
(um 1372-1415)
Tschechischer Reformator, Vorläufer der Reformation
Hus wurde in Husinec (Südböhmen, heute Tschechische Republik) geboren und studierte an der Prager Universität. Im Jahre 
1396 erhielt er den Titel eines Magister Artium. 
1400 wurde er zum Priester geweiht. Er hielt Theologievorlesungen an der Prager Universität und wurde 
1401 zum Dekan der philosophischen Fakultät ernannt. Er übernahm 
1402 zusätzliche Priestertätigkeiten an der Bethlehem-Kapelle, an der in tschechischer Sprache anstatt dem traditionellen Latein gepredigt wurde.
Die tschechische nationalistische und reformistische Bewegung, die von dem böhmischen Volksprediger des 15. Jahrhunderts Jan Milíc eingeleitet wurde und die sowohl an der Universität wie auch an der Bethlehem-Kapelle verbreitet war, erweckte bald auch Hus' Interesse. Hus 
  • bekannte sich zu vielen Ideen des englischen Reformators John Wyclif. Auf praktischer Ebene übten beide heftige 
  • Kritik am weltlichen Besitz der Kirche, traten für die 
  • Autorität des Gewissens ein und versuchten durch ihre Predigten die Kirche dem Volk näherzubringen. Beide glaubten an die 
  • Prädestination, betrachteten die 
  • Bibel als letzte religiöse Autorität und vertraten die Ansicht, dass keiner außer Christus allein das wahre Oberhaupt der Kirche sei.
1408 gingen beim Bischof Beschwerden über bestimmte Themen ein, die Hus in seinen Predigten behandelte. Daraufhin wurde ihm die Ausübung seiner priesterlichen Funktionen in der Diözese untersagt. 
1409 erließ Alexander V., einer der drei Gegenpäpste, die Anspruch auf die Obermacht in der Kirche erhoben, eine Bulle, die Wyclifs Schriften verurteilte, woraufhin dessen Bücher verbrannt wurden. Hus, der Wyclifs Lehren vertrat, wurde 
1410 verbannt. Aufgrund seiner großen Beliebtheit und Unterstützung im Volk brachen daraufhin in Prag Unruhen aus. Volksdemonstrationen ermöglichten es Hus trotz des 
Interdiktes aus dem Jahre 1412, seine Predigten fortzusetzen. Da jedoch innerhalb eines Jahres viele seiner einflussreichen Unterstützer ihre Stellungen verloren, flüchtete Hus aus Prag und wurde auf dem Schloss von einigen adligen Freunden aufgenommen. Im Jahre 1413 schrieb er sein Hauptwerk De Ecclesia.
1414 wurde Hus aufgefordert, sich dem Konstanzer Konzil zu stellen, welches zur Lösung des Kirchenschismas und zur Unterdrückung der Häresie einberufen worden war. Mit einem Geleitversprechen des Königs Siegmund hoffte Hus, seinen Glauben erfolgreich verteidigen zu können. Er wurde jedoch bei seiner Ankunft festgenommen, erhielt aber Gelegenheit zur öffentlichen Verteidigung. Er lehnte es ab, die Lehrautorität des Konzils anzuerkennen, da es in seinen Aussagen nicht mit der Bibel übereinstimmte. Er verweigerte den Widerruf seiner Schrift De Ecclesia und seiner darin vertretenen Überzeugung, dass die Kirche die unhierachische Versammlung der Prädestinierten sei, deren Haupt allein Christus darstellte. Da er die Aufforderung zum Widerruf seiner Lehren und zur Unterlassung der Predigertätigkeiten kategorisch ablehnte, wurde er schließlich verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Seine Hinrichtung führte zu den Hussitenkriegen.
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»Kriegsknechte setzten ihm eine ellenhohe Papiermütze auf den Kopf, auf welcher drei Teufel abgebildet waren und welche die Überschrift trug: Erzketzer. Doch bemerkte Hus während dieser Prozedur nur mit Gelassenheit: >Christus hat eine viel schwerere Dornenkrone getragen, warum soll ich nicht diese leichtere tragen?< Darauf wurde Hus auf den Brühl geschleppt... Der Henker entkleidete ihn, band seine Hände rückwärts mit Stricken und befestigte den Hals mit einer Kette an dem Pfahl. Hus' Füße standen auf einem Holzbündel, und rings um ihn her wurden Reisigwellen mit Stroh untermischt bis auf Kinnhöhe aufgeschichtet. Eine letzte Aufforderung, sein Leben durch einen Widerruf zu retten, lehnte er mit den Worten ab: >Ich rufe Gott zum Zeugen an, daß ich das, was falsche Zeugen gegen mich behaupteten, weder gelehrt noch gepredigt habe! Ich wollte die Menschen von ihren Sünden abbringen! Was immer ich sagte und schrieb, war stets für die Wahrheit, für die Wahrheit!<
Im Moment, als der Holzstoß angezündet wurde, begann Hus zur allgemeinen Überraschung plötzlich mit heller Stimme zu singen: >Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich unser.< Bei den Worten: >der du geboren bist aus Maria der Jungfrau<, schlugen ihm die Flammen ins Gesicht, der Gesang brach abrupt ab, nur seine Lippen bewegten sich noch. Nach kurzer Qual verschied Hus am 6. Juli 1415; seine Asche wurde in den Rhein geworfen.
Der Aufruhr gegen die priesterliche Macht brach nach seinem Tode mit elementarer Gewalt los und nahm in den Hussitenkriegen verheerende Formen an, welche das Entsetzen Europas bildeten. Aus einer individuellen Tat war sie zur Angelegenheit einer ganzen Nation geworden.«
Aus: Walter Nigg, Das Buch der Ketzer, Zürich / Stuttgart 1949, 267 f.
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