| Hussitenkriege,
eine Reihe von Konflikten in Böhmen zwischen 1419 und 1436
innerhalb der katholischen Kirche.
Die Verbrennung des Jan Hus beim Konstanzer Konzil 1415 führte zu einer gewaltigen Empörung unter dessen böhmischen Anhängern, den Hussiten. Als daraufhin König Wenzel versuchte, sie aus dem Klerus und den Stadtverwaltungen auszuschließen, brach ein Aufstand los. Nach dem Tod des Königs kam noch ein nationalistisches Element hinzu, als der Bruder des Königs, Kaiser Sigismund, Anspruch auf den böhmischen Thron erhob. Die Hussiten, die Sigismund für den Tod von Hus verantwortlich machten, lehnten den Anspruch des Kaisers ab. Papst Martin V. erklärte 1420 einen Kreuzzug gegen die Hussiten; Sigismund marschierte mit einem deutschen Heer in Böhmen ein und mußte eine vernichtende Niederlage einstecken. Die Hussiten waren jedoch gespalten, und zwar nicht nur in religiösen Fragen, sondern auch sozial. Die gemäßigten Utraquisten oder Kalixtiner (Kelchner) rekrutierten sich hauptsächlich aus dem Adel und dem Bürgertum, während die radikalen Taboristen zum größten Teil Bauern und Kleinbürger waren. Beide Gruppen waren sich nur in ihrer Opposition gegen Sigismund einig und wehrten 1421 eine weitere Invasion des Kaisers ab. Ihr Heer wurde zuerst von dem Taboristen-General Jan Czaron und nach dessen Tod von dem Priester Prokop angeführt, der drei weitere katholische Kreuzzugsheere besiegte (1426, 1427 und 1431). Danach leitete das Basler Konzil Verhandlungen mit den Hussiten ein. 1433 wurde ein Kompromiss erzielt, in dem sich die Utraquisten wieder mit der Kirche vereinten, während die Taboristen weiterkämpften. Die utraquistischen Adeligen, jetzt selbst wegen der Taboristen-Heere beunruhigt, schlossen sich mit den Katholiken zusammen und besiegten die Taboristen 1434 in Lipany bei Prag. Prokop fiel in dieser Schlacht. Ein unsicherer Friede kam zustande, und Sigismund bestieg 1436 den Thron. Am Ende waren die Hussiten trotz ihrer militärischen Überlegenheit die Verlierer. Die Utraquisten konnten nur wenige ihrer Forderungen durchsetzen, und selbst diese wurden 1437 von der Kirche zurückgenommen. Die Taboristen erreichten ihre Ziele nicht, sie waren im Gegenteil schlechter gestellt als vorher. Die Kriege hatten jedoch einen grundlegenden Einfluss auf das tschechische Nationalbewusstsein und führten zu einer sozialen Umschichtung in Böhmen, da die Macht in den Städten von den Deutschen, die während der Kämpfe vertrieben wurden, jetzt auf das tschechische Bürgertum überging. Microsoft Encarta
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