Martin Luther besuchte dann seine Verwandten in Möhra und wurde schließlich am Abend des 4. Mai 1521 auf die Wartburg bei Eisenach verbracht. In dem erwähnten Brief berichtet Luther darüber:
"Von Eisenach
kamen uns Leute zu Fuß entgegen und begrüßten uns. Endlich
kamen wir am Abend in Eisenach an. In der Frühe zogen alle Reisegefährten
mit Hieronymus (Schurf) weiter. Ich begab mich über den Wald zu meiner
Verwandtschaft, denn sie wohnt dort in der ganzen Landschaft. Ich trennte
mich von ihr, als wir den Weg nach Waltershausen einschlugen. Bald darauf
wurde ich in der Nähe der Burg Altenstein gefangen genommen. Amsdorf
hatte es notwendigerweise gewusst, ich würde von irgend jemand festgenommen
werden, den Ort meines Gewahrsams kennt er aber nicht. Als mein Ordernsbruder
(Johann Petzensteiner) die Reiter kommen sah, sprang er vom Wagen und soll
am Abend ohne jemand getroffen zu haben, zu Fuß nach Waltershausen
gekommen sein. So bin ich nun hier, meine Kutte hat man mir abgenommen
und ein Reitergewand angezogen. Ich lasse mir Haare und Bart wachsen.
Du würdest mich schwerlich erkennen, da ich mich selber schon nicht
mehr wiedererkenne. Jetzt lebe ich in christlicher Freiheit, frei von allen
Gesetzen jenes Tyrannen, obwohl ich lieber möchte, jenes Schwein von
Dresden (= Herzog Georg in Dresden) würde gewürgt, dass er mich
töte, während ich öffentlich predige, wenn es Gott gefiele,
dass ich um seines Worte willen leide. Es geschehe der Wille des Herrn!
Leb wohl und bete für mich! Grüßt Eure ganze Hofgesellschaft!"
Bedeutsam für die Entwicklung des reformatorischen Gedankens wurde aber das sogenannte Turmerlebnis, die Gewissheit, dass der sündhafte Mensch allein durch die Gnade Gottes gerettet werden kann. Die Übersetzung des Neuen Testamentes So widmet sich Luther
einer neuen Aufgabe: er übersetzt in nur elf Wochen das Neue
Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Das später
noch von Melanchthon und anderen Spezialisten bearbeitete Werk erscheint
1522
im Druck. Dieses sogenannte "Septembertestament"
findet in den evangelischen Gebieten einen reißenden Absatz und wird
dort zum Volksbuch, somit stellt es einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung
einer einheitlichen deutschen Schriftsprache dar.
Die Wartburg 1999 |
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