Luther auf der Wartburg
(1521 / 22)

Die Wartburg in Eisenach, Innenhofge-
bäude, in dem sich die Lutherstube 
befindet
Foto: H. Kerber 1994
Eisenach ist Luther nicht fremd. Hier hat er schon 1498 die Lateinschule besucht und auf der Hinreise zum Wormser Reichstag war er durch Eisenach gekommen; auf der Rückreise sollte für ihn hier erst einmal für 300 Tage Lebensstation sein. Am 2. Mai hatte er in der Georgenkirche am Markt gepredigt. Darüber schrieb er kurz vor Pfingsten 1521 an Spalatin in Altenburg: "Auch in Eisenach habe ich gepredigt. Aber der furchtsame Pfarrer protestierte dagegen in Gegenwart von Notar und Zeugen vor mir, entschuldigte sich aber dann demütig, er habe dies tun müssen aus Furcht vor seinen Tyrannen." 
Martin Luther besuchte dann seine Verwandten in Möhra und wurde schließlich am Abend des 4. Mai 1521 auf die Wartburg bei Eisenach verbracht. In dem erwähnten Brief berichtet Luther darüber: 

Lutherstube auf der Wartburg
Foto: H. Kerber 1994

 
 
 
 
 

"Von Eisenach kamen uns Leute zu Fuß entgegen und begrüßten uns. Endlich kamen wir am Abend in Eisenach an. In der Frühe zogen alle Reisegefährten mit Hieronymus (Schurf) weiter. Ich begab mich über den Wald zu meiner Verwandtschaft, denn sie wohnt dort in der ganzen Landschaft. Ich trennte mich von ihr, als wir den Weg nach Waltershausen einschlugen. Bald darauf wurde ich in der Nähe der Burg Altenstein gefangen genommen. Amsdorf hatte es notwendigerweise gewusst, ich würde von irgend jemand festgenommen werden, den Ort meines Gewahrsams kennt er aber nicht. Als mein Ordernsbruder (Johann Petzensteiner) die Reiter kommen sah, sprang er vom Wagen und soll am Abend ohne jemand getroffen zu haben, zu Fuß nach Waltershausen gekommen sein. So bin ich nun hier, meine Kutte hat man mir abgenommen und ein Reitergewand angezogen. Ich lasse mir Haare und Bart wachsen. Du würdest mich schwerlich erkennen, da ich mich selber schon nicht mehr wiedererkenne. Jetzt lebe ich in christlicher Freiheit, frei von allen Gesetzen jenes Tyrannen, obwohl ich lieber möchte, jenes Schwein von Dresden (= Herzog Georg in Dresden) würde gewürgt, dass er mich töte, während ich öffentlich predige, wenn es Gott gefiele, dass ich um seines Worte willen leide. Es geschehe der Wille des Herrn! Leb wohl und bete für mich! Grüßt Eure ganze Hofgesellschaft!
Am 4. Mai 1521 also lässt Kurfürst Friedrich der Weise Luther auf die Wartburg bei Eisenach bringen. Dort lebt er als Junker Jörg. Der mächtige Kurfürst Friedrich der Weise will Luther so vor den Folgen der Reichssacht schützen und hofft, dadurch Luther kurzzeitig aus dem Rampenlicht zu nehmen und die ständigen Angriffe auf die reformatorische Bewegung etwas abzuschwächen.
Luther lebt nun incognito auf der Wartburg: er nennt sich Junker Jörg und "pflegt Haupthaar und Bart".
Luther jedoch leidet unter der Verbannung: Im "Reich der Vögel", wie er sagt, hat er an allerlei körperlichen Gebrechen zu leiden. Auch die vielen teils von ihm selbst, teils durch andere berichteten Kämpfe mit dem Satan, wie der sprichwörtliche Wurf mit dem Tintenfass, mögen ihm in dieser Zeit arg zu schaffen gemacht haben. 

 Luther als "Junker Jörg" 1521
(Nach einem Gemälde von Lucas 
Cranach im Museum der Bildenden 
Künste, Leipzig)

Bedeutsam für die Entwicklung des reformatorischen Gedankens wurde aber das sogenannte Turmerlebnis, die Gewissheit, dass der sündhafte Mensch allein durch die Gnade Gottes gerettet werden kann.

Die Übersetzung des Neuen Testamentes

 So widmet sich Luther einer neuen Aufgabe: er übersetzt in nur elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche.  Das später noch von Melanchthon und anderen Spezialisten bearbeitete Werk erscheint 1522 im Druck. Dieses sogenannte "Septembertestament" findet in den evangelischen Gebieten einen reißenden Absatz und wird dort zum Volksbuch, somit stellt es einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache dar.
Es folgen später erst Teile des Alten Testamentes
1534 erscheint die Gesamtausgabe der Bibel in deutscher Sprache, die ebenfalls große Verbreitung findet.
Luther nutzte die Zeit zu weiterer theologischer Arbeit. So arbeitete er unter anderem weiter an einer Auslegung des Magnifikat und schrieb die Schrift "De votis monasticis" (Von den Mönchsgelübden). Wegen der Unruhen in Wittenberg verließ Luther im Dezember 1521 kurz die Wartburg zu einer Reise nach Wittenberg. Am 1. Mai 1522 verließ er dann die Wartburg endgültig.


Die Wartburg 1999
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