Thomas Müntzer
(um 1490 bis 1525),
deutscher Theologe und Revolutionär
. Müntzer wurde in Stolberg (Harz) geboren und studierte von 1506 bis 1512 Theologie in Leipzig und Frankfurt an der Oder. Nach 1514 erhielt er verschiedene Priesterstellen in Braunschweig, in Frose bei Aschersleben und 1520 in Zwickau. Dort lernte er Nicolaus Storch kennen, der sich zusammen mit anderen „Zwickauer Propheten" gegen den ungerechten Reichtum von Patriziern und Klerus empörte. Müntzer sympathisierte mit dieser Bewegung, die die Gewissheit eines Zeitalters der Gerechtigkeit in naher Zukunft verkündete (siehe Chiliasmus). Aufgrund von Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit verließ Müntzer 1521 Zwickau und unternahm Missionsreisen nach Böhmen und nach Prag, wo er sein „Prager Manifest" verfasste, in dem er die Grundzüge seiner Theologie darlegte. 1523 erhielt Müntzer eine Pfarrstelle in Allstedt. Dort entwarf er die erste deutschsprachige Gottesdienstordnung, die das Ziel hatte, die Gemeinde in den Gottesdienst miteinzubeziehen.
Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Grafen Ernst I. zu Mansfeld, der seinen Untertanen den Besuch von Müntzers Gottesdiensten untersagte. Der Streit wurde vom obersten Kirchenherrn, dem Kurfürsten Friedrich entschieden, wobei Müntzer am 13. Juli 1524 vor einer Kommission seine sogenannte Fürstenpredigt hielt. Auch hier vertrat er die These, dass Gerechtigkeit für alle Menschen vor dem Ende der Welt zu verwirklichen sei. Von großer Bedeutung war für Müntzer außerdem das Streben nach einer mystischen Gotteserfahrung als Weg zur Offenbarung Gottes und - wie bei Luther - das reformatorische Schriftprinzip sola scriptura, das die Bibel über die Autorität des kirchlichen Lehramtes stellte.
Da er vom Rat der Stadt politisch isoliert und von Luther in dessen Brief an die Fürsten zu Sachsen (1524) öffentlich angegriffen worden war, verließ Müntzer Allstedt und floh nach Mühlhausen (Thüringen) und später nach Nürnberg. In seiner Schrift Hochverursachten Schutzrede und Antwort wider das geistlose und sanftlebende Fleisch zu Wittenberg (1524) nahm er gegen Luther Stellung und vertrat nun die Ansicht, dass zur Durchsetzung seines Zieles einer gerechteren Ordnung Gewalt notwendig sei. 1525 kehrte er nach Mühlhausen zurück und unterstützte die Bauernaufstände, indem er eine bewaffnete Kampftruppe bildete (siehe Bauernkriege). Durch den Zusammenschluss einer Gruppe von Fürsten, die sogar verschiedene Konfessionen umfasste, konnte der Widerstand von circa 8000 aufständischen Bauern gegen die Feudalgewalt niedergeschlagen werden. Müntzer, der ein Bauernheer anführte, wurde gefangengenommen, gefoltert und am 27. Mai 1525 hingerichtet.
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Tabellarische Kurzbiografie:
  • 1486 oder 1489/90 in Stolberg (Harz) geboren 
  • Studium in Leipzig und Frankfurt an der Oder 
  • Zuwendung zu Luther 
  • 1517 oder 1518 Besuch der Stadt Wittenberg 
  • 1519 Übernahme der Pfarrstelle in Jüterbog 
  • 1520 Mit Predigerauftrag Luthers Übersiedlung nach Zwickau 
  • Besuch von Vorlesungen an der Universität zu Wittenberg 
  • 1521 Verteibung aus Zwickau 
  • 1523 Pfarrer im kursächsischen Allstedt 
  • Vertreibung aus Allstedt und aus Mühlhausen 
  • 1524/25 Verbindung zu den Widertäufern und den aufständischen Bauern 
  • 1525 Rückkehr als Pfarrer nach Mühlhausen 
  • Anführer im Bauernkrieg in Thüringen 
  • 15.05.1525 nach der Niederlage des Bauernkrieges Gefangennahme Müntzers 
  • 27.05.1525 Enthauptung in Mühlhausen 
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